Eine Weltmarke des Weines
Gaja hat die Bedeutung des Marketings frühzeitig erkannt. Das so schlichte wie legendäre schwarz-weiße Etikett ist eine Ikone des „Corporate Design“ im Weingeschäft. Mit seinem Team gelang es Gaja, mitunter die größten und langlebigsten italienischen Weine zu erzeugen. In diesem Spitzenbereich können nur wenige mithalten, etwa das Traditionshaus Giacomo Conterno, das aufzeigt, dass auch die altüberlieferte Nebbiolo-Bereitung herausragende Ergebnisse zeitigen kann (etwa Monfortino 1958, 1971 oder 1985). Die Toleranz von Nebbiolo gegenüber suboptimalen Lagerbedingungen ist geringer als bei Bordeaux-Gewächsen; meine Verkostungen zeigen aber wieder einmal, dass auch die „einfachen“ Barbareschi (ex Chateau) aus großen Jahren (etwa 1961, 1982) nach einem halben Jahrhundert noch herausragenden Trinkgenuss ohne störende Tertiärtöne bieten. An der Spitze stehen die Lagenweine Sorì San Lorenzo und Sorì Tildìn. So haben die Jahrgänge 1978, 1982 und 1985 sicher noch nicht den Zenit erreicht. Zur Ausschöpfung ihres Potenzials benötigen sie wohl 40 bis 50 Jahre. Auch jüngere Jahrgänge wie etwa Sorì Tildìn 1997 zeigen fulminante Größe. Während die Barbaresco-Lagen von ihrer mineralischen Spannung leben, ist der Barolo Sperss („die Hoffnung“ – seit 1988 aus Serralunga) jüngerer Jahrgänge etwas für Freunde wuchtigerer Weine, denen vor allem Robert Parker viel abgewinnen kann