Gold und Blech
Wahr oder nur gut erfunden – solche Geschichten ranken sich nur um legendäre Betriebe. Heute ist die Brauerei Schwechat das Zentrum der österreichischen Bierdose. Hier werden alle Marken der Brauunion eingedost. Regelmäßig fahren Tankwagen aus Göss oder Zipf nach Schwechat, das am Originalort eingebraute Nass wird dann vor den Toren Wiens in Dosen abgefüllt. Das „DosenkompetenzzentrumSchwechat“ ist die einzige österreichische Blech-Abfülllinie im Konzern – und alleine dadurch Goldes wert. Die Brauerei hat überdies längst den Wandel von einem historischen, bedeutsamen zu einem modernen und für unsere Tage wichtigen Standort vollzogen. Das sagen nicht nur die technischen Kennzahlen, das ist auch an der Betriebsstruktur deutlich zu erkennen. Das Dosengeschäft läuft vor allem in den Ballungsräumen gut, auch aus diesem Grund ist der Standort ideal. Absatz und Brauereibedarf funktioniert auf kurze Distanz, das ist auch für den CO2 Footprint des Betriebes wesentlich. Darüber hinaus werden in Schwechat Biere in Lizenz produziert – die Biere der starken Marken der Brauunion werden auch in Zukunft aus der Steiermark oder Oberösterreich geliefert. Denn Bier braucht Heimat. Zipfer muss aus Zipf kommen, das sagt die Philosophie des Konzerns. Hohe Bierkultur ist ein Leitthema – aber auch Produktion in Lizenz ist eine große Herausforderung, wie das Beispiel Heineken immer wieder zeigt. In Schwechat werden auch Biere für den Export eingebraut. „Wir können in Schwechat Biere in jeder gewünschten Güte herstellen.“ Das gilt nicht nur für Produkte, die in großen Mengen verkauft werden. „Auch wenn es darum geht, Kreativität zu zeigen, brauchen wir uns nicht zu verstecken.“ Die Braumeister verweisen auf das Beispiel des zur Niederösterreichischen Landesausstellung mit der neuseeländischen Hopfensorte Nelson Sauvin eingebrauten Bieres, „Cervisia Ala Nova“. Sehr viele „kleine“ Sorten werden aber auch in Zukunft nicht aus Schwechat kommen. Denn dort wird im großen Stil gebraut – jeder Sud ist 550 Hektoliter mächtig. Und 110.000 Krügeln eines Sonderbieres muss man erst einmal verkaufen. Das ist auch für die mächtige Verkaufsorganisation der Brauunion kein Spaziergang. Natürlich wird alles auch im wenige Schritte nahen Brauhaus ausgeschenkt. „Das ist aber nicht die Kernaufgabe“, sagen die Herren – zur Gasthausbrauerei eignet sich Schwechater nur bedingt. Alte Marken – da ist immer auch ein hohes Maß an Sentimentalität dabei. Zum Beispiel Steffl Export. Diese Bierspezialität ist als hochpreisiges Bier bei Lidl gelistet, „nebenbei bemerkt, das einzige österreichische Bier bei Lidl“. 2012 feiert die Brauerei ein halbrundes Jubelfest – 380 Jahre. Zurzeit werden 21 verschiedene Biere dort gebraut. 2006 hat man auf historischem Boden ein neues Sudhaus in Betrieb genommen. Der Abfüllungs-Betrieb verläuft im Winter im Fünftage-Rhythmus, im Dreischichtbetrieb, die Wochenenden sind frei. Im Sommer, bis etwa Ende September, wird sieben Tage die Woche im 24-Stundenmodus und im Vierschichtbetrieb gearbeitet.