 Gainfarn bei Bad Vöslau liegt in "einem der großartigsten Anbaugebiete der Welt" © Weinland Thermenregion |
Gainfarn bei Bad Vöslau liegt in "einem der großartigsten Anbaugebiete der Welt" © Weinland Thermenregion
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Das Profil: Wofür steht die Thermenregion?
„Wehe der Zierfandler stirbt aus, weil sich die bequemen Winzer nicht mit einer unbequemen Sorte beschäftigen wollen.“ Der auch als Spätroter bezeichnete Zierfandler ist gemeinsam mit dem Rotgipfler DIE weiße Sor tenspezialität der Region; er gilt aber als besonders empfindlich und arbeitsintensiv. Außerdem spielt er seine Stärken oft erst nach einigen Jahren der Reife aus. Johann Sperber, der Geschäftsführer des Weinforums Thermenregion, wendet ein: „Durch die Rückbesinnung auf Rotgipfler und Zierfandler wurden Flächen in Gumpoldskirchen und Pfaffstätten wieder in Ertrag genommen, und die Preise sind gestiegen. Aber man muss sich ehrlicherweise fragen: Haben diese Sorten mengenmäßig irgendeine Marktrelevanz?“ Das muss man sich angesichts der Zahlen tatsächlich fragen: Rotgipfler steht auf 100 ha, Zierfandler auf 78 ha. Johanna Gebeshuber und ihr Mann Johannes konzentrieren sich seit einigen Jahren auf ihrem Weingut Spätrot ausschließlich auf die Leitsorten der Region: Zierfandler und Rotgip_ er in Weiß sowie St. Laurent und Pinot noir in Rot. „Jedes gute Weinbaugebiet hat eigene Sorten, und unsere gibt es nirgendwo sonst auf der Welt! Das zu pflegen, ist für uns eine Pflicht! Die Weinwelt honoriert das dann auch. Obwohl man gerade den Zierfandler auch in sogenannten einfachen Jahren 5-mal umdrehen und die ohnehin geringen Erträge noch reduzieren muss. Diese Konzentration auf das Wesentliche macht den Kopf frei!“ Bernadette Steurer-Weinwurm, die mit ihrer Agentur „die zwei Marketing“ Weingüter und Verbände der Thermenregion betreut: „Die Thermenregion hat kein übergeordnetes Konzept und kein Image für Wein. Und wenn, dann gelten sie oft noch als süß.“ Der Vorsitzende des Regionalen Komitees, Georg Schneider: „In der Wachau bekomme ich in jedem Weinbaubetrieb die gleiche Story erzählt: Es gibt drei Weinkategorien, Urgesteinsterrassen und die Sorten Grüner Veltliner und Riesling. Das kann ich in zwei Sätzen transportieren. So einfach ist das bei uns nicht. Aber dort, wo klare Fokussierung besteht, geht es.“ Bestes Beispiel: die Gruppe „Die Burgundermacher“ aus dem „roten“ Steinfeld. Sie konzentriert sich auf St. Laurent und Pinot noir – und hat damit Erfolg. Beide Sorten haben seit 1999 massiv zugelegt, St. Laurent um 70 %, Pinot noir um 35 %. Schneider: „Der Imageaufbau geht nur über eindeutige Aussagen. Und da sind wir uns mittlerweile einig, dass dies die Leitsorten Zierfandler, Rotgipfler, St. Laurent und Pinot noir sind. Dafür haben wir die besten Voraussetzungen: Lage, Böden, Klima und auch die Geschichte.“ Johann Stadlmann ergänzt: „Auch ein Geschmacksprofil wurde erarbeitet und angewendet. Zierfandler und Rotgipfler sind im trockenen Spätlesebereich am besten. Unsere Weine sollen Länge und Struktur haben, aber nicht zu wuchtig sein.“ Georg Schneider kann sich einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen: „Der Geschmack ist Moden unterworfen, das betrifft ganze Gebiete; die Thermenregion hat unter dem starken Trend zu trockenen Weinen nach dem Glykolskandal 1985 sicher gelitten. Aber auch die Medien haben ihren Anteil: Wenn man gerade nicht ‚in‘ ist, wird man ignoriert.“ Da wiederum hat wein.pur-Medienberaterin Sigrid Kügerl (ebenfalls eine Bewohnerin der Thermenregion) einen Einwand: „Je besser eine Region organisiert ist und wo es einen Ansprechpartner gibt, desto eher kann sie auch medial begleitet werden. Das ist noch ausbaufähig.“ Das leitet uns zum nächsten Kapitel: