Ich gestehe: Mein allererster Spargelgenuss bestand aus einem vorgekochten Exemplar aus dem Glas. Das ist wahrscheinlich niemandem in den 1980er-Jahren erspart geblieben, als belegte Brötchen mit konserviertem Gemüseallerlei das Partyessen schlechthin waren. Doch was da auf Beinschinken und dem obligatorischen Mayonnaise- Tüpfelchen lag, kann mit frischem Spargel geschmacklich nicht mithalten. Davon abgesehen stammt Spargel aus dem Glas selten von einem österreichischen Feld, sondern wird in Peru, Chile oder sonstwo produziert, wo das arbeitsintensive Gemüse billiger angebaut werden kann. Von dort kommt auch der „frische“ Spargel außerhalb der Saison – und er hat immer eine lange Reise hinter sich. Eine ökologische und kulinarische Grundsatzfrage, die sich nicht nur beim Spargel stellt: Was schmeckt besser? Ein frisch gepfl ückter, reifer Paradeiser aus dem eigenen Garten oder eine auf Substrat gewachsene Holland-Tomate? Gut, Ihren Spargel werden Sie wohl kaum im eigenen Gemüsebeet anpfl anzen – auch wenn es durchaus wild wachsende Spargelsorten gibt, die sich in Ihrem Garten domestizieren lassen. Aber denken Sie trotzdem daran: Selbst die oft verteufelte Holland-Tomate reist nur 1.000 Kilometer nach Österreich, Peru ist 11.000 Kilometer entfernt. Spargel aus Lateinamerika muss nicht sein, solange der aus dem nahen Marchfeld so gut schmeckt. Was Kinder – und so manchen Erwachsenen – beim Spargel-Essen oft noch mehr fasziniert als Herkunft und Geschmack, ist der etwas eigentümliche Geruch des Urins nach dem Verzehr der köstlichen Stangen. Jedoch ist nur etwa die Hälfte der Bevölkerung verdauungstechnisch in der Lage, „Spargel- Pipi“ zu produzieren. Neueren Erkenntnissen zufolge ist es zudem genetisch bedingt, ob ein Mensch den speziellen Geruch nach verfaultem Kohl auch wahrnehmen kann oder ihm der entsprechende Geruchsrezeptor fehlt. Also nicht traurig sein, wenn es bei Ihnen nicht klappt – Sie sind nicht allein.
03.07.2011













