In Österreich und Deutschland haben die Konsumenten eine Vorliebe für frische, fruchtbetonte, leicht trinkbare und animierende Weißweine entwickelt. Man schätzt, dass rund 90 bis 95 % aller österreichischen Weißweine, die in Österreich an den Konsumenten abgegeben werden, rund 18 Monate nach der Ernte ausgetrunken sind. Selbst beim Rotwein lässt man sich nicht viel Zeit. Kaum in die Flaschen gefüllt, werden viele gute und sehr gute Weine in den Verkauf gegeben. Mengenschwache Jahrgänge, in denen der Wein vergleichsweise früh ausverkauft ist und wo mit dem Folgejahrgang schon wenige Wochen nach der Ernte nachgeliefert wird, verstärken zuweilen den Effekt des „Viel-zu-früh-Trinkens“. Der Anteil an einheimischen Weinen in der Gastronomie ist in Österreich mit rund 80 % sehr hoch, und als weltoffener Weinliebhaber fragt man sich: „Wann werden die Österreicher endlich müde, nur ihre eigenen Weine zu trinken?“ Es gibt so viel guten Wein in der Welt, der für Abwechslung auf den Weinkarten sorgen kann. Natürlich ist man stolz, und es ist auch richtig und wichtig, dass die Weine aus dem eigenen Land viel Platz in den Weinkarten erhalten. Das erwartet sich schließlich jeder von uns, wenn er in andere Weinländer fährt und sich dort mit regionaltypischen Produkten und Weinen verwöhnen lassen will. Mit dem österreichischen Qualitätsweinwunder Ende der 1980er Jahre hat es in Österreich eine extreme Pendelbewegung hin zum jungen österreichischen Wein gegeben. Angesichts der Tatsache, dass immer mehr Qualitätswein in der Flasche exportiert wird und die Anbauflächen in den vergangenen 20 Jahren gesunken sind, sollte in Zukunft wieder mehr Platz für guten Wein aus anderen Ländern und Kontinenten in unseren Kellern und Restaurants sein. Das Pendel schlägt irgendwann wieder zurück. Die vielen jungen österreichischen Weinliebhaber werden reifen und vielleicht auch ein Faible für andere Länder und gereifte Weine entwickeln. Die Neugierde nach Abwechslung und die Sammelleidenschaft sollte dabei unbedingt geweckt werden. Auf der anderen Seite möchten viele ausländischen Weinproduzenten gerne nach Österreich exportieren, weil die Bereitschaft der Konsumenten besteht, mehr Geld für Wein auszugeben wie etwa im großen Weinimportland Deutschland. Dieses wiederum hat ebenfalls das Potenzial auf eine nachhaltige Renaissance für den eigenen Wein.