Eine Dekade Verantwortung

Ein Artikel von Johannes Rottensteiner | 18.07.2017 - 08:31

„Zehn Jahre vergehen schneller als man glaubt. Mir kommt vor, als wäre es erst gestern gewesen, dass ich mit meiner Selbständigkeit begonnen habe als ich die Fleischerei meines Vaters 2007 übernommen hatte,“ scheint Fleischermeister Josef Alexander Lechner verblüfft, „aber es waren tolle und ereignisreiche Zeiten.“

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Auszeichnung für das Team: Für seinen Verkaufsmannschaft gab es vom Chef kleine Golddukaten. © Johannes Rottensteiner

Fürwahr, Lechner hat sich in dieser Dekade zu einem der meist dekorierten Fleischer des Bundeslandes emporgeschwungen. „Speckkaiser“ darf er sich nennen, bei der Blutwurst-WM in Frankreich wurde seine Blunzn mit Gold veredelt, beim Internationalen Wettbewerb in Hollabrunn und den Vorgängerveranstaltungen in Wels gab es Edelmetall. Josef Alexander lechners Spezialitäten fanden ebenso Aufnahme in das Buch „Die besten Spezialitäten für Feinschmecker“, herausgegeben vom „Kuratorium Kulinarisches Erbe Österreichs“. Der Mann versteht sein Metier und ist überaus erfolgreich und nützt diese Auszeichnungen als Werbung in eigener Sache.

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Eine Torte zum Jubiläum: die Beschriftung stimmte zwar nicht ganz, aber geschmeckt hat‘s dann trotzdem. © Johannes Rottensteiner

Die Herausforderungen des Unternehmerlebens als Fleischer hat er voller Energie angenommen, auch ein neuer Supermarkt in der Gemeinde im Mostviertel kann ihn nicht verschrecken: „Dann sehen die Leute wenigstens, wie gut sie es bei mir haben und dass ich bei vielen Produkten günstiger bin als der Supermarkt.“ Mit Tierfutter hat Lechner einen neuen lukrativen Geschäftszweig etabliert, seine Hundeschmankerln erfreuen sich bei Vierbeinern von Nah und Fern größter Beliebtheit. Als Multiplikator für diese Sparte nützt er die Mitgliedschaft im örtlichen Hundeverein.

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Silber für die Blutwurst: Kollege Franz Dormayer (links) überbrachte die Medaille von der Blutwurst-WM. © Johannes Rottensteiner

Das Schlachten hat der Fleischer vor einigen Jahren aufgegeben, sein Fleisch bezieht er vom Schlachthof Grandits in Rupprechtshofen. Stattliche 80 verschiedene Wurst- und Fleischprodukte stellt der Meister her, einig davon hochdekoriert, wie das wunderbar zarte Karree nach Prosciuttoart, den saftigen Mostviertler Rinderrohschinken oder die deftigen fünf Dürre-Variationen, die in der gemauerten Selchanlage ihren letzten Schliff erhalten.

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Herz des Unternehmens: Ohne Mutter Leopoldine geht bei den Lechners gar nichts, das weiß Josef Alexander ganz genau. © Johannes Rottensteiner

Das Jubiläumsfest des Chefs besuchten im Lauf des Tages mehr als 200 Freunde und Kunden, nur der Bürgermeister und der Kilber Gemeinderat glänzten durch Abwesenheit. Verbundenheit mit dem in Sonntagsreden gerne überstrapazierten Nahversorger sieht anders aus.

Josef Alexander Lechner belohnte seine Verkaufsdamen für ihren Einsatz mit einem kleinen Golddukaten, für Mutter Leopoldine gab es Blumen. Für den Jubilar gab es eine Silbermedaille: jene für die Blutwurst bei der diesjährigen Blunzn-WM in Frankreich, überreicht vom österreichischen Mitglied der Bruderschaft, Fleischermeister Franz Dormayer aus Langenzersdorf.

In diesem Sinne wünschen wir dem Jubilar, im übrigens 164. Bestandsjahr der Fleischerei Lechner, weiterhin alles Gute.