Gebackenes Brauchtum und abgeschnittene Zöpfe

Ein Artikel von Redaktion | 21.10.2020 - 16:00
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Beim Mühlviertler Naturbäcker Martin Bräuer wird der Allerheiligenstriezel auch „Goli-Striezel“ genannt. © Bäckerei Bräuer

In manchen österreichischen Gegenden kennt man noch den Brauch, dass die Patentante oder der Patenonkel den Patenkindern zu Allerheiligen einen Allerheiligenstriezel mitbringen. Aber was haben abgeschnittene Zöpfe mit diesem traditionellen Festtagsgebäck zu tun? Sehr viel!

Die Wurzeln des Allerheiligenstriezels gehen weit zurück. Die Form des Zopfes lässt sich auf die Trauerkultur der Antike zurückführen. Die Haare der Frauen wurden schon damals zu Zöpfen geflochten. Starb jemand aus der Familie schnitt man als Zeichen der Trauer den Haarzopf ab. Der Brauch entstand in Ägypten und wurde von den Griechen, den Römern und schließlich auch von den Germanen übernommen. Das Flechten und Knüpfen galt in vielen Kulturen als schützendes Ritual um das Böse abzuwehren. Anstatt des echten Haarzopfes ging das alte Trauerritual schließlich auf ein geflochtenes Gebäck über, das auch mit Glück, Segen, Fruchtbarkeit und Kraft in Verbindung gebracht wurde.  

Der Allerheiligenstriezel wurde früher auch gerne an arme Leute und Kinder verschenkt. Mancherorts legte man die Striezel zu Allerheiligen sogar auf die Gräber, um die Verstorbenen damit zu verköstigen. Der Allerheiligenstriezel symbolisiert eine uralte Form eines Trauerrituals, das über die Zeit vom echten Haarzopf zum beliebten Gebildegebäck wurde. Noch heute geht es zu Allerheiligen um das Gedenken an die Verstorbenen in der Familie, der „gebackene Zopf“ blieb als Symbol dafür im Brauchtum erhalten.

Meisterhaftes Flechten

Der Allerheiligenstriezel ist ein Zopf aus Hefeteig – je nach Region wird dieser aus zwei oder mehreren Strängen geflochten. Die Kunst des Teigflechtens verlangt einiges an Fingerfertigkeit und Erfahrung. In Oberösterreich wurde 1929 das Beherrschen von verschiedenen Flechtarten sogar in die Meisterprüfungsordnung für die Bäcker aufgenommen.

Beliebter „Goli-Striezel“

Beim Mühlviertler Naturbäcker Martin Bräuer wird der Allerheiligenstriezel auch „Goli-Striezel“ genannt. Denn im Mühlviertel heißen die Paten „Goli und Göd“. Für die feinen Striezel verwendet der Naturbäcker Backhefe und Mehl, das zu 100 Prozent aus Oberösterreich stammt. Damit der Teig gut aufgeht, braucht es Wärme und viel Zeit. So werden die geflochtenen Allerheiligenstriezel so richtig flaumig. Mit Hagelzucker bestreut sind die „Zöpfe“ ein imposantes Zeugnis für österreichische Tradition und bodenständiges Handwerk. Und damit jedes Patenkind zu Allerheiligen einen handgeflochtenen Striezel in Händen halten kann, empfiehlt es sich, diese rechtzeitig beim Bäcker Bräuer zu bestellen.

GENUSS.Info

Naturbäcker Martin Bräuer führt im oberösterreichischen Reichenthal eine Bäckerei mit 33 Mitarbeitern und drei Filialen. In rund 30 Verkaufsstellen in Oberösterreich sind Bräuer-Backwaren ebenfalls erhältlich. Neben der regionalen Nahversorgung mit Brot, Gebäck und Süßwaren beliefert die Handwerksbäckerei ihre Kunden österreichweit mit Spezialprodukten. So gibt es „Kekse mit Sinn“, die Martin Bräuer aus Bio-Dinkel nach eigenen Rezepten erzeugt, bei zahlreichen Handelspartnern und im Online-Shop: www.naturbaecker.at