Viva vegan!

Ein Artikel von Angelika Kraft | 19.04.2021 - 13:26
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© Nina Firsova / shutterstock.com

Wird uns in zeiten wie diesen der Genuss am Fleisch vermiest? Nein, keineswegs. Aber den Menschen ist es zunehmend nicht wurscht, woher ihr Essen kommt und wie es her­gestellt wird – und das ist auch gut so. Egal, ob Sie Veganer, Vegetarier oder Flexitarier sind: welche tierfreien Produkte richtig gut schmecken, lesen Sie hier.

Corona hat unser Leben verändert. Wir tragen Maske, haben erst Babyelefanten, dann Kühe als Abstandhalter dabei und anstatt dass wir uns die Hände schütteln, klatschen wir unsere Ellenbogen aneinander. Aber Corona hat – zumindest kulinarisch – auch positive Entwicklungen vorangetrieben. Wir haben während der Lockdowns I, II und III gekocht, gebacken und Küchenexperimente durchgeführt. Wir haben selbst Brot hergestellt, Obst in Form von Marmelade konserviert und Unmengen an Nudelgerichten gekocht. Dadurch ist etwas Wunderbares passiert: Das intensive Beschäftigen mit Lebensmitteln hat deren Stellenwert enorm gehoben. Immer mehr Menschen ist es nicht wurscht, woher ihr Essen kommt oder wie es hergestellt wird.

Artgerecht ist Pflicht

Vor allem tierische Produkte werden nun genauer hinterfragt. Wie artgerecht kann das Leben eines Hühnchens sein, dessen Keulen um 2,85 Euro pro Kilogramm im Supermarkt angeboten werden? Wie ging es wohl dem Schwein, das man sogar um 2,49 Euro pro Kilogramm beim Discounter bekommt? Und wie viel Platz hat wohl ein Henderl, das Eier um 12 Cent das Stück legen muss?
Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, ich möchte Ihnen den Genuss an einem Stück Fleisch nicht vermiesen, ich zähle selbst nicht zur Gruppe der Vegetarier oder Veganer, aber ich halte es schon für wichtig, ja, geradezu für eine Verpflichtung, nur Fleisch und Fisch, Milch und Eier zu kaufen, bei denen ich eine artgerechte Tierhaltung voraussetzen darf. Das europäische Bio-Siegel zum Beispiel ist ein guter Anhaltspunkt dafür. Ein Einkauf beim Bauern seines Vertrauens auch.

Vielfältige Gründe

Andere Menschen haben sich für ein Leben ganz ohne die Benützung oder den Verzehr von tierischen Produkten ausgesprochen – eine Lebensweise, die ich mir für mich nicht vorstellen kann, die ich aber auf ganzer Linie respektiere. Die Gründe für die Entscheidung sind vielfältig. Für manche steht das Vermeiden von Tierleid im Vordergrund, mitunter sind es der Umwelt- und Klimaschutz, manche entscheiden sich der Gesundheit zuliebe für diese Lebensweise, die neben dem Verzicht auf Fisch, Fleisch, Milchprodukte und Eier auch Honig, Gummibärchen (aufgrund der enthaltenen Gelatine) oder klaren Essig, Fruchtsaft und Wein, die mit Eiweiß geklärt wurden, verbietet. Zudem lehnen Veganer die Verwendung von Leder, Wolle und Daunen ab.

Zahlen, bitte!

Aktuell leben laut einer Gallup-Studie in Österreich etwa neun Prozent der Bevölkerung vegetarisch und ein Prozent vegan. Aber wie bereits erwähnt hat die Corona-Krise auch diesbezüglich viele Menschen zum Umdenken gebracht, wie eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung der Veganen Gesellschaft Österreich belegt. Für die Experten nicht weiter verwunderlich, denn in der Massentierhaltung liegt ihrer Meinung nach einer der größten Risikofaktoren in puncto zoonotischer Pandemien, also Infektionskrankheiten, die von Tier zu Mensch oder von Mensch zu Tier übertragen werden. Und so ergab eine Studie der englischen Kollegen, dass 20 Prozent der Briten in den vergangenen Monaten weniger Fleisch konsumierten. Als Hauptgrund wurde die Sorge um Gesundheit, Umwelt und Tiere (43 Prozent) genannt. Auch weltweit ging der Pro-Kopf-Konsum von Fleisch signifikant zurück, nämlich um ganze drei Prozent – und das ist deutlich mehr als in den vergangenen 20 Jahren (Quelle: United Nations).

Flexibler Fleischkonsum

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© Dr. Klaus Postmann

Wer nicht ganz auf Vegetarier oder Veganer umsteigen möchte, kann es ja zuerst einmal mit einem Leben als „Flexitarier“ versuchen. Darunter versteht man Menschen, die versuchen, weniger tierische Produkte zu konsumieren, eine genaue Definition, wie viel Fleisch ein Flexitarier essen darf, um noch als solcher zu gelten, gibt es jedoch nicht.

Als Flexitarier befindet man sich aktuell in guter Gesellschaft. Rund die Hälfte der Bevölkerung möchte sich weniger fleischlastig ernähren. In dieser Gruppe befindet sich auch die Hauptkäuferschicht der von uns getesteten Produkte. 95 Prozent der veganen Erzeugnisse werden von Flexitariern gekauft – und damit sind wir auch schon beim Hauptthema dieser Geschichte angelangt: unserer Jury-Verkostung.

Wie bei all unseren Awards üblich haben wir im Vorfeld zahlreiche Produzenten von veganen Lebensmitteln aufgerufen, uns ihre Produkte zu schicken. Diese haben wir auf neutrale Schälchen, Tellerchen oder Gläschen verteilt und mit Nummern versehen. In einer sogenannten Blindverkostung kostete sich nun die gewohnt kompetente GENUSS.Jury durch alle Proben, vermerkte ihre Eindrücke und vergab null bis maximal fünf Punkte. Nach Abschluss der Verkostung wurden die Punkte pro Produkt zusammengezählt und ein Durchschnitt gebildet. Entsprechend unserem GENUSS.Bewertungsschema wurden die Punkte in Sterne umgerechnet und so die Sieger in den drei Kategorien veganer Milchersatz, veganer Käseersatz und veganer Fleischersatz gekürt.

Beim Studieren unserer Verkostungsergebnisse wünschen wir Ihnen viel Spaß und würden uns freuen, wenn wir Sie vielleicht zu dem einen oder anderen fleischlosen Tag inspirieren können. Vergessen Sie das Bild des mangelernährten und nur Blätter mampfenden Veganers. Die fleischlose Küche ist absolut vielfältig und setzt man sich einmal mit ihr auseinander, wird man mit Sicherheit ein paar einem bislang unbekannte Lebensmittel kennenlernen – vorausgesetzt man ist offen für Neues …

GENUSS.Info: VEGAN.Award 2021 | Die Top 3 aller Kategorien

Die Top 3 aller Kategorien aus der großen VEGAN.Award-Verkostung finden Sie hier zum Download, alle Details und Verkostungsergebnisse lesen Sie im GENUSS.Magazin 01-02/2021.

Die GENUSS.Kostjury

Verkostungsleiterin: Angelika Kraft, GENUSS. Redakteurin, Sommelière und Diplom-Kaffee-Sommelière
VerkosterInnen: Elisabeth Cvach, HLF-Absolventin und Genießerin, Kristin Ellmenreich, Genießerin, Alexander Lupersböck, GENUSS.Chefredakteur-Stv. und Weinakademiker, Maximilian Lupersböck, Genießer, Dr. Klaus Postmann, GENUSS.Chefredakteur, Weinakademiker und Diplom-Kaffee-Sommelier, Erich Schöller, Sommelier, Sparkling Wine Sommelier und Diplom-Biersommelier, Dr. Simone J. Taschée, GENUSS.Redakteurin, Diplom-Käsesommelière und Diplom-Kaffee-Sommelière, Mario Witti, Diplom-Kaffee-Sommelier

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