Mmmh...armelade!

Ein Artikel von Angelika Kraft | 04.07.2018 - 19:00
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Gibt es etwas Köstlicheres als ein frisches, dunkles Bauernbrot mit einer fruchtigen, selbst gekochten Marmelade? Es stillt den Hunger nach Süßem und bei den meisten weckt es gleichzeitg schöne Erinnerungen an die Kindheit. Keine Frage, selbst gekochte Marmeladen sind längst eine hochgeschätzte Delikatesse. Und auch das Einkochprozedere ist heute einfacher als je zuvor. Während unsere Großmütter das Obst stundenlang mit Zucker einkochen mussten, bis die Masse durch den natürlichen Pektingehalt der Früchte zu gelieren begann, können wir heute dank Gelierzucker in ein paar Minuten feinste Marmeladen herstellen.
Gerade jetzt im Juli und August ist die ideale Zeit, Beeren und Obst für die kommenden Monate haltbar zu machen. Wenn die kalten Wintertage kommen, freut sich bestimmt jeder über ein Glas konservierten Sommergeschmack.
 

Marmelade, Konfitüre oder wie?

Können Sie sich noch erinnern, als es im Jahr 2003 laut Konfitüren-Verordnung der EU hieß: "Marmelade heißt jetzt auch in Österreich ganz hochdeutsch Konfitüre. Nur Produkte aus Zitrusfrüchten dürfen sich weiterhin Marmelade nennen"? Blankes Entsetzen. Ein Aufschrei der Entrüstung. Daran lässt sich erkennen, wie heilig uns scheinbar der süße Aufstrich ist. Doch wie so oft wurde auch hier nichts so heiß gegessen wie es eingekocht wurde. Im Juni 2004 kam es schließlich zu einer weisen Einigung: In Österreich ist das Wort "Marmelade" auf Etiketten weiterhin erlaubt, nur auf Packungen für den Export muss der Name "Konfitüre" aufgedruckt werden.
Apropos Namen. Wissen Sie, wie die Marmelade zu ihrem kam? Es war die Quitte, die ihr die Bezeichnung verlieh. Die an eine Kreuzung von Birne und Apfel erinnernde Frucht war bereits im Mittelalter berühmt für ihren geradezu betörenden Duft. Gewissenhafte Hausfrauen legten einige Quitten in die Wohnstube oder den Wäscheschrank. Dort sollte sich ihr Wohlgeruch ausbreiten und für einen angenehmen Duft sorgen. Vor allem die Portugiesen schätzten Quitten, um sie zu Mus zu verkochen. Dieses Mus nannten sie – genau wie die Frucht – "marmelo". Bald hieß jedes Fruchtmus so. Die Marmelade ward geboren.
 

Das Einmaleins des Konservierens

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In der Zwischenzeit hat sich viel getan auf dem Marmeladen-Sektor. Dem Gelierzucker zum Beispiel haben wir es zu verdanken, dass wir heute Marmeladen in kürzester Zeit einkochen können. Hier handelt es sich um eine fertige Mischung aus Raffinadezucker, natürlichem Apfelpektin und reiner Zitronen- oder Weinsäure. Gelierzucker süßt und geliert also zugleich. Der Zucker konserviert die Marmelade, das Pektin und die Säure sind für die Festigkeit des fruchtigen Genusses zuständig. Man unterscheidet drei Sorten Gelierzucker: 1:1, 2:1 und 3:1. Die Zahl gibt das Verhältnis zwischen Frucht und Zucker an, das heißt, beim Gelierzucker 2:1 werden zwei Teile Frucht mit einem Teil Zucker verkocht. Als Alternative zu Gelierzucker können Sie auch Gelierpulver verwenden. Dazu geben Sie als Süßungsmittel zum Beispiel braunen Zucker oder Honig hinzu. So erhält Ihre Marmelade eine wunderbar malzige Note.
 

Die gute alte Zeit

Bestimmt haben die meisten von uns so seine eigenen Kindheitserinnerungen in Verbindung mit Marmelade. Ich war als Kind oft im Schrebergarten meiner Großeltern. Meine Großmutter ist mit einem grünen Daumen gesegnet und so gab es jedes Jahr Unmengen an Marillen, Zwetschken und Beeren, die es zu verkochen galt. Eimerweise schleppten wir die aromatischen Früchte in die Wohnung und meine Großmutter begab sich, mit Schürze und Kochlöffel bewaffnet, in die Küche. Mission: Marmeladen-Produktion. Der süße Duft, der sich nach kurzer Zeit in der ganzen Wohnung ausbreitete, hat sich fest in mein Gedächtnis eingebrannt. Erst als unzählige Einmachgläser – natürlich noch die mit dem Rexgummi – gefüllt waren und zum Auskühlen bereitstanden, rief meine Großmutter uns Enkel herbei, um vor unseren erwartungsvollen Augen das erste Glas zu öffnen und den Inhalt in frisch gebackene Palatschinken zu füllen.
 

Der Geschmack des Sommers

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Die Lust auf das Einmalige der Marmeladen bringt uns dazu, dort anzuknüpfen, wo unsere Großmütter aufgehört haben – jedoch ohne all die guten alten Rezepte zu vergessen. Wer sich im Sommer einen Vorrat dieser Köstlichkeiten anlegt, wird das ganze Jahr über den Geschmack des Sommers genießen können. Außerdem eignen sich selbst gemachte Marmeladen als besonderes Mitbringsel, über das sich jeder freut, denn es bringt auf einfache und nette Weise zum Ausdruck, dass man sich für jemanden Zeit genommen hat.
Wenn Sie noch nie selbst Marmelade gekocht haben, probieren Sie am Anfang eine einfache Marillenmarmelade aus. Wenn Sie etwas geübt sind, lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf und versuchen Sie sich selbst als Marmeladen-Designer. Raffinierte Fruchtmischungen sorgen oft für ungeahnt köstliche Kreationen. Mit feinen Kräutern und Gewürzen lässt sich Eingekochtes wunderbar verfeinern. Frische Minze, Thymian, Rosmarin und Zitronenmelisse, Zimt, Nelken, Sternanis, Kardamom und sogar Pfeffer sorgen für ein ausgefallenes Aroma. Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Experimentieren!