Frohe Ostern!

Ein Artikel von Angelika Kraft | 15.04.2019 - 10:26
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Für gläubige Christen ist Ostern nach Weihnachten der zweitwichtigste Feiertag im Jahr. Am Ostersonntag wird zum einen die Auferstehung Christi gefeiert, zum anderen auch der Zusammenhalt der Familie. Man geht gemeinsam in die Kirche, sucht mit vereinten Kräften Osternester und landet schließlich am reich gedeckten Festtagstisch. Damit Sie auch keinen der schönen Bräuche verpassen, haben wir für Sie einen Leitfaden für die nächsten Tage zusammengestellt.

Gründonnerstag (18. April)
Der Gründonnerstag wird tatsächlich grün begangen – und zwar mit dem traditionellen Mittagstisch: Spinat mit Spiegelei und Bratkartoffeln. Fleisch und andere Schlemmereien wie Süßigkeiten und Alkohol sind an diesem Tag – wie überhaupt in der ganzen Karwoche – tabu. Und warum gerade Spinat? Weil er mit seiner grünen Farbe so gut zum Gründonnerstag passt, mag man vermuten …? Weit gefehlt, denn die Bezeichnung Gründonnerstag stammt nicht von der Farbe, sondern von „greinen“, dem althochdeutschen Ausdruck für weinen, ab. Spinat ist an diesem Tag so beliebt, weil er erstens sehr kalorienarm ist und zweitens reich an Vitamin B und C.
Am Abend des Gründonnerstags gehen gläubige Menschen in die Kirche zum letzten Abendmahl. Danach verstummen die Kirchenglocken für drei Tage. Den Kindern sagt man geheimnisvoll, sie fliegen nach Rom. Anstelle des Glockengeläuts treten die Ratschen, aus Holz gefertigte Krachmacher.

Karfreitag (19. April)
Der Karfreitag ist in vielen katholischen Familien auch heute noch ein strenger Fasttag und daher kommt meist Fisch auf den Tisch. Darüber freut sich auch unsere Gesundheit, denn Fisch beinhaltet reichlich Eiweiß und lebensnotwendige Omega-3-Fettsäuren. Der Ausdruck Kar-Freitag leitet sich im Übrigen von „kara“ ab, was so viel wie Klagen bedeutet. Immerhin finden an diesem Tag die Karfreitagsprozessionen statt, ein Schweigemarsch, bei der das Leiden und Sterben Christi dargestellt wird.

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Karsamstag (20. April)
Morgen ist Ostern und da gibt es natürlich einiges an Vorbereitungsarbeit zu leisten. Daher wird oftmals gemeinsam mit den (Enkel-)Kindern schon vorgebacken. In vielen Familien landet ein Osterlamm im Ofen – allerdings keines aus Fleisch und Blut, sondern aus Sandteig, gebacken in einer eigenen Form, die von Generation zu Generation vererbt wird. Ebenfalls gerne gebacken wird der in Zopfform gebrachte Osterstriezel – und das in vielen verschiedenen Variationen mit Nüssen, Mohn, Rosinen und/oder Rum. Der eigentlich aus Griechenland und dem Balkan stammende Brauch, rote Ostereier (als Symbol für das Blut Christi) im Striezel einzubacken hat sich längst auch bei uns durchgesetzt.
Speziell in Kärnten wird im Akkord Reindling gebacken, eine Süßspeise, die unter anderem aus Germteig, Zucker, Rum und Rosinen besteht. Und dann gibt es da noch – vor allem in der Steiermark, Kärnten und Osttirol – die flaumig weiche Osterpinze, die ebenfalls aus Germteig und Rosinen besteht. Der Name kommt vom slawischen Ausdruck für Schere, mit der man vor dem Backen zwei Schlitze in den Teig schneidet. Auch in die Pinze werden oft bunte Ostereier eingebacken. Weniger bekannt sind die aus dem Mostviertel stammenden God´nküpfi, die aus Briocheteig hergestellt und zu einem großen Kipferl geflochten werden. Die God´n (Taufpatin) versteckte darin ein Geldstück und verschenkte es an ihr Patenkind.
In der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag, in der so genannten Osternacht, gehen viele Familien in die Kirche zur so genannten Speisenweihe. Sie bringen einen Korb mit allerlei Köstlichem wie Brot, Schinken und gekochten und gefärbten Eiern mit zur Messe, der dann vom Pfarrer gesegnet wird.

Ostersonntag (21. April)
Am Ostersonntag ist es dann endlich soweit und es darf wieder nach Herzenslust genascht und geschlemmt werden. Los geht es schon mit dem österlichen Frühstück. Mit dem am Vortag gesegneten Speisenkorb ist man dafür schon perfekt gewappnet. Auf alle Fälle kommt ein Osterschinken auf den Tisch, ein magerer Schweineschinken, der entweder geräuchert oder gekocht wurde und oft in Brotteig gewickelt gebacken wird.
Nach dem Frühstück steht die klassische Ostereiersuche auf dem Programm, bei der Kinder, aber auch Erwachsene, bunte gekochte Eier suchen dürfen, die der Osterhase zuvor versteckt hat. Der Brauch, Eier zu kochen und zu färben stammt auch aus früheren Zeiten. In der 40 Tage dauernden Fastenzeit wurde streng auf alles Tierische verzichtet. In der Zeit legten die Hühner aber natürlich weiterhin Eier. Um sie haltbar zu machen wurden sie gekocht. Das Färben diente dazu, sie später von den rohen Eiern unterscheiden zu können. Ein lustiger Brauch ist das Eierpecken, bei dem zwei Menschen mit einem Ei bewaffnet gegeneinander antreten. Die Eier werden auf eins, zwei, drei gegeneinander geschlagen, der Besitzer des heil gebliebenen Eis gewinnt.
Bestimmt haben Sie sich auch schon einmal gefragt, warum gerade der Hase die Eier bringt? Nun ja, Ostern markiert nicht nur das Ende der Fastenzeit, sondern auch den Beginn des Frühlings und da ist der Feldhase oft das erste Tier, das man über die grünenden Felder laufen sieht. Aufgrund seiner Fruchtbarkeit (wie die Karnickel halt…) wird er als Zeichen des Lebens gesehen – ebenso wie die Eier als Symbol für das Leben gelten. Da wurde einfach eins und eins zusammengezählt und schon bringt der Hase eben die Eier. Logisch, oder?
Zum Mittagessen steht dann häufig Lamm – dieses Mal echtes Fleisch – auf der Karte. Lammgerichte sind nicht nur bei Christen, sondern auch im Judentum und bei den Griechisch-Orthodoxen (dort steht das Osterfest in der Wertigkeit sogar über Weihnachten) eine alte Tradition. Das christliche Osterlamm leitet sich von einem Brauch beim jüdischen Pessach-Fest ab. Dabei wird das Lamm zum Gedenken an Gott geschlachtet. Es gilt als Symbol der Reinheit und steht damit auch für die Unschuld von Jesus, der sich für die Menschen geopfert hat. Wer kein Lamm mag, kann auf falschen Hasen, einen faschierten Braten mit Ei, ausweichen.

Ostermontag (22. April)
Am Ostermontag stehen auch heute noch vielerorts Verwandtschaftsbesuche auf dem Programm. Auch hier wird dann gut und reichlich gegessen. Schließlich hat man ja 40 Tage gefastet …
Zudem kann man sich spätestens jetzt Gedanken machen, wie man die Unmengen an Speiseresten in den kommenden Tagen verarbeitet. Wir haben ein paar Vorschläge für Sie parat. Aus den vielen gekochten Eiern lassen sich neue Kreationen zaubern. Eiaufstrich, gefüllte Eier, Eiersalat oder Kreneier schmecken auch nach Ostern noch köstlich. Aus den Resten vom Osterschinken entstehen zum Beispiel überbackene Schinkenfleckerl und wer die Schokohasen nicht pur vernaschen möchte, stellt mit frischem Obst ein Schokofondue her oder verarbeitet sie zu verführerischen Schokomuffins.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen eine festliche Osterzeit, einen GENUSS.vollen Ostersonntag und einen braven Hasen!