Obst & Gemüse im Supermarkt: Zwei Drittel in Plastik verpackt

Ein Artikel von Redaktion | 01.08.2019 - 15:43

Dass Plastikverpackungen längst keinen guten Ruf mehr haben, ist unumstritten. Und Hand auf’s Herz: Wie oft hat man sich als mündiger Konsument, der bestrebt ist, Verpackungsmaterial soweit wie möglich zu reduzieren, über in Plastik eingeschweißte Gurken geärgert? Oder über Obst und Gemüse unterschiedlicher Art in Plastik-Großpackungen?

Im Juni 2019 hat der Verein für Konsumenteninformation (VKI) Stichproben in 58 Supermarktfilialen von 13 Lebensmittelanbietern gezogen. Das Ergebnis ist wenig überraschend: Beim Einkauf von Obst und Gemüse fällt viel Plastikmüll an. In Augenschein genommen wurden insgesamt 1.589 Angebote an Gurken, Karotten, Paprika, Tomaten und Äpfeln. 1.050 Angebote waren in Plastikverpackungen erhältlich – das entspricht zwei Drittel der erhobenen Ware. Ohne Verpackung kamen lediglich 539 Angebote aus.

Plastikverpackungen: Diskonter sind Spitzenreiter

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© VKI - Verein für Konsumenteninformation

Mit einem Plastikverpackungsanteil von 79 Prozent ist Hofer der Spitzenreiter unter den Diskontern, gefolgt von Lidl mit 77 Prozent und Penny mit 74 Prozent. Überwiegend verpackte Ware boten aber auch die großen klassischen Supermärkte an: Merkur (71 Prozent), Billa (69 Prozent) und Interspar (65 Prozent). Der Bio-Supermarkt Denn’s wies die geringste Plastikquote auf: 16 Prozent der erfassten Obst- und Gemüsesorten waren hier in Plastik verpackt.

„Die einfolierte Gurke ist ein wiederkehrender Aufreger bei den Konsumenten“, erläutert VKI-Projektleiterin Birgit Beck. Nur Denn’s und Etsan verzichten komplett auf die Plastikumhüllung von Gurken. Im Rahmen der Erhebung zeigt sich, dass im Durchschnitt jede zweite Gurke in Plastik eingeschweißt in den Verkauf kommt. Ähnlich verhält es sich bei den Äpfeln. 46 Prozent der angebotenen Äpfel waren durchschnittlich in Plastik verpackt. Etsan und Denn’s gehen hier erneut mit gutem Beispiel voran: Kein einziger Apfel wurde in diesen Märkten verpackt angeboten.
Den überhaupt höchsten Verpackungsanteil in der Erhebung wiesen Karotten auf: 82 Prozent des Angebots waren in Plastik verpackt.

Unverpacktes Obst und Gemüse ist teurer

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© VKI - Verein für Konsumenteninformation

Gerade Karotten werden in Supermärkten gewöhnlich in relativ großen Verpackungseinheiten angeboten, seltener einzeln und unverpackt. Und genau diese großen Verpackungseinheiten bei Obst und Gemüse sind ein zusätzlicher Kritikpunkt seitens der Konsumenten. Erschwerend kommt hinzu, dass unverpackte Produkte in der Regel deutlich teurer sind. Ein klassisches Beispiel: Einzelne Paprika versus Paprika-Trio (meist grün-gelb-rot) in der Plastikverpackung. Letztere sind günstiger als drei einzeln gekaufte. Birgit Beck dazu: „Aus hygienischen Gründen ist die Plastikverpackung nicht zwingend: Obst und Gemüse sollte ja ohnehin vor dem Verzehr gewaschen werden – bzw. wird zum Teil noch zusätzlich geschält. Warum braucht es dann eine Plastikverpackung?“ Eine Frage, die für uns Konsumentinnen und Konsumenten zweifellos offen bleibt – und über die sich der Lebensmittelgroß- und einzelhandel zweifellos konkrete Gedanken machen sollte.

VKI-Tipps

Unverpackte Ware einkaufen. Lassen Sie verpacktes Obst und Gemüse möglichst im Regal liegen und greifen Sie zu offen angebotener Ware. Verwenden Sie Mehrweg-Beutel oder legen Sie es direkt in den Einkaufswagen - Sie waschen es ja ohnehin vor dem Verzehr. Damit helfen Sie Plastikmüll zu vermeiden und üben Druck auf die Industrie aus, auf unnötigerweise verpackte Ware zu verzichten.

Saisonal einkaufen. Wer bewusst saisonal einkauft, kann erheblich zum Umweltschutz beitragen. Kaufen Sie Früchte wie Birnen oder Erdbeeren im Supermarkt nur dann ein, wenn diese bei uns Saison haben. Obst und Gemüse aus Gewächshäusern, die mit fossilen Brennstoffen beheizt werden, sind keine Alternative, denn auch sie haben meist eine schlechte CO2-Bilanz.

Regional einkaufen. Je kürzer die Transportwege, desto besser. Wer die Möglichkeit hat, Obst und Gemüse lokal, am besten direkt beim Bauern zu beziehen, ohne, dass er dafür extra ins Auto steigen muss, schützt Klima und Umwelt.

Details und Informationen unter: www.vki.at