GENUSS.Kolumne: Versuch einer Vorstellung

Ein Artikel von Pepi Hopf | 14.02.2020 - 11:19
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Pepi Hopf © Barbara Hartl Graph Art Line e.U.

Sagen wir, gut ­abgehangen, dry aged, smoked und mittlerweile fein marmoriert. Aber das führt jetzt zu weit. Fest steht, dass ich in Zukunft die Ehre und das Vergnügen habe, Sie, geneigte Leserin und Leser, mit einer Kolumne zu beglücken. Da wo ich herkomme, ist es ein sogenanntes „gheart Si“ (gehört sich), dass man sich zunächst einmal vorstellt. Und genau das will ich in dieser ersten Kolumne zumindest versuchen.

Nun denn: Geboren wurde ich vor beinahe 50 Jahren in der Genussregion Wien Simmering, bekannt für … naja … sagen wir, man kennt es. So, und damit ist es schon nach wenigen Zeilen raus, WIENER! Ein Umstand, der in acht von neun Bundesländern nicht gerade die Sympathiewerte hochschnellen lässt. Da muss ich aber meinen Eltern den Schwarzen Peter zustecken, ich selbst kann da rein gar nichts dafür und werde dies auch weiter unten im Text ändern.
Noch befinden wir uns aber im Simmering der 1970er-Jahre. Ich wuchs als jüngster Spross einer Gärtnerfamilie auf, sozialisiert zwischen Käfig, Kinderfreibad, Kinderfreunden und Konsum. Rückblickend kann ich sagen, wir hatten nix außer keine Sorgen. Das Leben war leicht, nur das Essen war schwer. Dieser Umstand prägte mein kulinarisches Weltbild nachhaltig, wobei „nachhaltig“ hier eine mehr als missverständliche Formulierung ist.

18 und keinen Plan

Leider hatten meine Eltern den zwanghaften Wunsch, dass es der Sohn einmal besser haben sollte, in höhere gesellschaftliche Klassen aufsteigen und mindestens einen akademischen Titel dem Namen voranstellen sollte. Ich wurde nicht gefragt. So musste ich mich durch acht Klassen Gymnasium quälen und konnte nur mit viel Geschick und jeder Menge Faulheit die Matura gerade noch verhindern. Ich brach die AHS 14 Tage vor der Matura ab. Seltsam, jetzt da ich selbst Vater von drei Pubertätsterroristen bin, klingt das gar nimmer so cool wie früher. Sei‘s drum, passiert ist passiert.

Ich war 18, hatte keinen Plan, aber schon eine eigene Wohnung und einen Austin Mini 850, ein klassisches „Maria hilf und Josef schieb an“-Auto. Dies alles musste finanziert werden und die Bereitschaft meiner Eltern, den Filius ohne Aussicht auf Doktorwürden durchzufüttern, hielt sich in Grenzen. Ich begann als Hilfsarbeiter bei der MA 43, städtische Friedhofsgärtnerei, zu arbeiten, und absolvierte bald darauf die Gärtnerlehre. Der Plan, als selbstständiger Friedhofsgärtner alt, reich und bequem zu werden, scheiterte, noch bevor er begonnen hatte, an den Hürden der Bürokratie. Vorausschauend wie ich eben bin, hatte ich meinen Job beim Magistrat aber schon gekündigt.
Mit der Ungerechtigkeit der Welt hadernd, kam ich bei einer Bekannten, die eine Bühnenbeleuchtungsfirma hatte, als Lagerarbeiter unter. Besagte Frau meldete mich zwei Jahre später ohne mein Wissen bei einem Kleinkunstwettbewerb an. Ich nahm teil, gewann und hatte Blut geleckt. Ich hatte etwas gefunden, das ich halbwegs konnte und das noch dazu unglaublichen Spaß machte – und heute, 20 Jahre später, immer noch tut.

Irgendwann konnte ich vom Kabarett leben

2003 war es an der Zeit, Wien den Rücken zu kehren, und meine erste Frau und ich kauften uns ein Haus in der March­feldmetropole Haringsee. Wir bekamen zunächst eine Tochter, dann einen Sohn und ohne dass wir es bemerkt haben, wurden wir uns zwar nicht fremd aber vielleicht zu gewohnt, was mit gewöhnlich ja zumindest wortverwandt ist. Also trennten wir uns nach all den Jahren und begannen jeder für sich von vorne.

Ich war 40 und hatte plötzlich die halbe Woche und jedes zweite Wochenende jede Menge Freizeit. Irgendetwas in mir rief laut „back to the roots“, ich besann mich meiner Gemüsegärtner-Gene und gründete gemeinsam mit einem Freund „Biogemüse Hopf“. Eigentlich war dieses Projekt als sinnvolle Freizeitgestaltung gedacht, hat sich aber mittlerweile mehr als verselbstständigt. Kurz nach der Gärtnereigründung lernte ich meine zweite Frau kennen. Also, als ich sie kennenlernte, war sie natürlich noch nicht meine zweite Frau, aber es ging dann eigentlich alles sehr rasch.

Wir leben noch immer in Haringsee, haben zwei gemeinsame Kinder und dürfen wohl als Glücksfall einer funktionierenden Patchwork-Familie bezeichnet werden. Insgesamt sechs Kinder, vier Katzen und ein Hund ersticken jeden Anflug von Langeweile schon im Keim.
Dieses Jahr werde ich also 50, und da Stillstand Rückschritt bedeutet, habe ich beschlossen, etwas Neues zu versuchen, wie zum Beispiel eine Kolumne im GENUSS.Magazin zu schreiben. Mit der ersten bin ich jetzt eigentlich fertig.

In Vorfreude auf viele, die da folgen mögen, verbleibe ich mit lieben Grüßen!

Ihr Pepi Hopf

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