Editorial Chefredakteur Stv. Alexander Lupersböck

Ein Artikel von Alexander Lupersböck | 02.04.2020 - 10:18
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GENUSS.Chefredakteur Stv. Alexander Lupersböck © Herbert Lehmann

Liebe Leserin, lieber Leser!

Zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe des GENUSS.Magazins zeichnen sich dramatische wirtschaftliche Auswirkungen der Corona-Krise ab. Diese werden auf die Weinbranche in besonderem Ausmaß durchschlagen, denn Wein als Luxusprodukt ist derzeit selten ganz oben auf der Prioritätenliste der meisten Menschen. Wein ist ein Teil der Freizeit-, Gastronomie- und Tourismuswirtschaft. Und diese ist soeben zum Stillstand gekommen. Mit allen Auswirkungen auf Weinerzeuger. Ja, es gibt den Paketboten, der uns den Wein auch nach Hause liefert. Aber wenn sich mehr Menschen berechtigterweise Sorgen um Job und Einkommen machen müssen, werden sie im Heimkonsum nicht wett-machen, was bei den Heurigen, in den Skigebieten und in den Restaurants wegfällt. Was sehen wir, wenn wir die gerade auf-blühende Natur betrachten? Gras wird grün, Knospen knospen und sogar die Weingärten haben ihr jährliches Spiel von Austrieb, Blüte, Fruchtansatz und Reife schon begonnen. Die Natur zeigt uns, dass es weitergeht, auch wenn wir im Moment eher furchtsam in die Zukunft blicken.

Es wird ein Wein sein, wir werden ihn verkosten und trinken wollen, bevorzugt von jenen Produzenten und Lieferanten, die wir persönlich kennen, besuchen können und denen wir vertrauen – so wie es auch bei allen an-deren Lebensmitteln verstärkt der Fall sein wird. Wein ist ein geselliges Getränk, und nach der Phase der notwendigen Abschottung werden wir Gesellschaft en umso mehr genießen. Und das Leben feiern.

Bringen wir also mehr Qualität in unser Leben und in unsere Lebens- und Genuss-mittel. Wir lernen soeben auf die harte Tour, dass wir vielleicht etwas mehr Zeit haben können, als wir zu haben glaubten. Und Zeit ist eine ganz wichtige Voraussetzung für bewusstes Genießen. Zeit ist auch ein entscheidender Faktor der derzeitigen Krise: Je länger das Stimmungstief dauert, desto mehr Weingüter werden finanziell ins Schleudern kommen. Und das wird uns nachher leidtun, wenn wir ihre Weine und Buschenschänken, Aussichtsterrassen und Winzerzimmer nicht mehr genießen können.
Daher: Schauen wir auch auf unsere Weinbauern, die uns bisher die eine oder andere schöne Stunde beschert haben.

Es wird ein Wein sein, und wir werden ihn trinken. Denn: Es wird ein Leben nach Corona geben – und das werden wir feiern wollen.

Winzer Lorenz Alphart hat eine Hoffnung formuliert: „Vielleicht schätzen mehr Leute in Zukunft die Schönheit unserer Region und den Wert regionaler Produkte, das würde uns allen helfen.“ Wir alle können ein Stückchen dazu bei-tragen. In diesem Sinne: Auch wenn wir im Moment andere Sorgen haben, viel-leicht lassen Sie den Paketboten ja doch auch einmal ein paar Flaschen Wein an-liefern. Denn Wein ist nicht nur das Blut Christi, sondern auch das Blut eines wichtigen Wirtschaftskreislaufs. Wir sehen es als unsere Aufgabe, Ihnen dafür weitere Orientierung zu bieten!

Herzlichst,
Ihr Chefredakteur-Stv. Alexander Lupersböck
a.lupersboeck@agrarverlag.at