Über die Vorwürfe gegenüber der Mohrenbrauerei

Ein Artikel von Karin Vouk | 24.06.2020 - 17:00
Mohren_Museum_Marktgasse-RGB_72dpi.jpg

Mohrenbrauerei, Museum © Mohrenbrauerei

Die Rassismusvorwürfe gegen die Brauerei sind nicht die ersten und werden wahrscheinlich auch nicht die letzten sein. Daher habe ich mich dieser Tage auch nicht zum ersten Mal gefragt, warum diese Vorwürfe immer so aufschaukeln. Ich selbst habe mir schon sehr früh angewöhnt, Dinge wie diese in einem historischen Kontext zu sehen und nicht nur als Momentaufnahme, mit einem Blick auf das Hier und Jetzt.

Die Brauerei ist seit Generationen in Familienbesitz und hatte nie etwas mit Produkten aus Afrika zu tun, die dort weiterverarbeitet worden wären. Daher kann es auch nie zu einer Ausbeutung gekommen sein, wie es beispielsweise bei Betrieben der Fall ist, die Kaffee und Kakao importieren und weiterverarbeiten. In einem Land wie Österreich, das sich immer auf seine Traditionen beruft, hat die Familie Huber das Familienwappen der Familie Mohr, von denen sie die Brauerei vor fast 200 Jahren übernommen hat, als Firmenlogo übernommen. Ich selbst habe die Familie Huber, mit einem Teil davon bin ich freundschaftlich verbunden, immer sehr weltoffen erlebt. Auch wenn sich dieser Teil der Geschichte nicht mehr aufklären wird lassen. Aber was hat die ursprüngliche Eigentümerfamilie bewogen einen Afrikaner als Familienwappen zu verwenden? Ich selbst bin davon überzeugt: Wäre diese Familie in welcher Form auch immer rassistisch gewesen, hätte sie mit Sicherheit ein anderes Familienwappen gewählt. Sie hätte nicht 1784 in eine Gaststätte mit Brauerei investiert, sondern das Geld dazu aufgewendet, eine Änderung des Familiennamens zu erwirken.

Fakt ist aber auch, dass das Bier der Mohrenbrauerei außerhalb von Vorarlberg eine sehr beliebte Biermarke in Ethno-Lokalen ist und dort gerne von Menschen afrikanischer Herkunft getrunken wird. In Vorarlberg selbst ist es, früher wie heute, meist von der Region abhängig, ob die Menschen Mohren oder ein Bier der anderen Vorarlberger Brauereien genießen.

Nun werden sich vielleicht einige unserer Leserinnen und Leser fragen, ob wir unsere Entscheidung bereuen, uns dieses Jahr als Partner für die GENUSS.bier.pur Sonderedition für die Mohrenbrauerei entschieden zu haben. Die Antwort ist nein, denn wir bewerten ein Unternehmen nicht nach einem Logo alleine. Wir schauen hinter die Kulissen. Wir erleben, wie die Menschen hinter den Kulissen sind, wie die Chefs mit ihren Mitarbeitern umgehen und wie zufrieden die Mitarbeiter sind, egal welcher Nationalität sie angehören oder welchen ethnischen Hintergrund sie haben. Das einzige was wir bewerten ist die Qualität der Produkte in diesem Fall der Biere.

Offener Brief, Mohrenbrauerei Dornbirn

MB_Logo_hoch_mit_Claim.png

© Mohrenbrauerei

Liebe Freundinnen und Freunde, Kundinnen und Kunden,
liebe Kritikerinnen und Kritiker unseres Markenauftritts,

in den vergangenen Tagen ist die Debatte um unseren Markenauftritt mit großer Heftigkeit neu ausgebrochen. Die Art der Diskussion hat uns und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr betroffen gemacht.

Sowohl von manchen Kritikern unseres Logos als auch von einigen Befürwortern sind Äußerungen getätigt worden, die unseren Werten zutiefst widersprechen. Weder lassen wir uns Rassismus unterstellen, noch lassen wir uns von Menschen mit ausländerfeindlicher Haltung vereinnahmen.

Wir stehen für Toleranz. Wir brauen unser Bier für Menschen aller Kulturen, die in Vorarlberg leben. Wenn sich Menschen auf ein Bier zusammensetzen, entsteht Verständnis füreinander und Respekt. Das gesellige Miteinander verbindet. Das war in der Diskussion der vergangenen Tage nicht der Fall.

Wir haben uns deshalb entschieden, die Situation neu zu bewerten. Gemeinsam mit unabhängigen Expertinnen und Experten aus ganz verschiedenen Bereichen werden wir in den nächsten Monaten in Ruhe prüfen, ob und wie wir unseren Markenauftritt im Rahmen unserer Möglichkeiten weiterentwickeln. Das Ergebnis dieses Prozesses ist offen.

Als älteste Brauerei Vorarlbergs sind wir stolz auf unsere fast 200-jährige Geschichte. Tradition und Innovation sind die Basis unserer Unternehmenskultur. Aus diesem Bewusstsein heraus gestalten wir diesen Prozess, der uns in eine gute Zukunft führen wird. Wir handeln aus Verantwortung für das Unternehmen, unsere 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und deren Familien, für unsere Lieferanten und Kunden.

Wenn sich die Menschen bei einem Mohren zusammensetzen, sollen Geselligkeit, Freude und Verständnis füreinander entstehen. Dann haben wir als Bierbrauer unser Ziel erreicht.

Wir sind Mohren. Wir bleiben uns und unseren Werten treu, versprochen!

Familie Huber und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Mohrenbrauerei