Die Geschichte einer Weinkönigin

Ein Artikel von Klaus Postmann | 16.11.2020 - 15:40
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Bundesweinkönigin Diana I. © Hartmut Schnedl

Die erste Weinkönigin Niederösterreichs nahm bereits 1955 ihr Zepter in die Hand. Seitdem sind die Weinköniginnen wichtige Botschafterinnen der heimischen Weinwirtschaft und stehen mit ihrem Engagement für ein positives Weinimage. Die Weinhoheiten Österreichs werden alle zwei Jahre neu gewählt, in ihrer Amtszeit übernehmen sie auch für ein Jahr die Funktion der Österreichischen Weinkönigin. Damals wie heute haben Weinköniginnen wichtige Aufgaben, sie sind auf zahlreichen Events und Weinfesten im In- und Ausland unterwegs und stehen als wichtiges Tes­timonial für Wein aus Österreich. Aktuell repräsentiert Diana Müller als Bundesweinkönigin Diana I. den Weinbau in Österreich. GENUSS.Chefredakteur Klaus Postmann hat sie im Rahmen der Videotour zur Weinvielfalt Niederösterreich zum Interview gebeten.

GENUSS.Magazin: Wie wird man Weinkönigin?
Diana Müller: Ich habe mich vor zwei Jahren beim Niederösterreichischen Weinbauverband als Landesweinkönigin beworben. Als Weinkönigin ist man im Team des Landesweinbauverbandes tätig, man bewirbt sich ja eigentlich für eine Teilzeitstelle. Das läuft ab wie bei einer offenen Stelle in einem Büro beispielsweise, wobei eine weinbauliche Ausbildung für die Aufgabe Grundvoraussetzung ist. Ich habe dem Weinbauverband meinen Lebenslauf und ein Motivationsschreiben geschickt, in dem ich erklärte, warum ich die Beste für diese Aufgabe bin. Dann wurde ich zum Kennenlernen eingeladen und auf das Finale vorbereitet. Bei der Wahl selbst musste ich vor einer großen Fachjury eine Rede zu einem Weinbauthema halten, anschließend gab es ein Fachinterview auf Deutsch und Englisch. Und nachdem die Jury entschieden hat, dass ich die Richtige für den Job bin, durfte ich ab Mai 2019 als Landesweinkönigin den niederösterreichischen Wein vertreten. Und seit Juli 2020 bin ich nun in Doppelfunktion als Landes- und Bundesweinkönigin unterwegs.

Was machst Du neben Deinen Aufgaben als Weinhoheit?
Wenn ich nicht gerade im königlichen Outfit unterwegs bin, ist mein Brotberuf Winzerin im elterlichen Weingut Müller. Als Winzerin ist mein Alltag vor allem jetzt während der Lesezeit recht stressig, es war heuer sehr viel zu tun. Die Ausbildung zur Winzerin habe ich in der HBLA Klosterneuburg absolviert, anschließend habe ich Export-oriented Management am IMC Krems studiert. Den Export betreue ich nun auch zu Hause im Weingut. Der tägliche Beruf als Winzerin bereitet mir viel Freude, denn wer kann schon behaupten, täglich mit einem der besten Genussmittel und dem ältesten Kulturgut unseres Landes zu arbeiten? Umso schöner ist es für mich, dass ich noch bis ins nächste Jahr den österreichischen Wein so gut als möglich vertreten darf – auch wenn das leider in Zeiten von C19 nicht immer so einfach ist ;-)

Kannst Du Dein eigenes Weingut kurz vorstellen?
Unser Familienweingut liegt im südlichen Kremstal im Weinort Krustetten, unweit von Stift Göttweig. Gegründet wurde es von meinen Urgroßeltern im Jahr 1936, wobei es bereits 1270 erstmals als Lesehof in den Göttweiger Stiftsarchiven urkundlich erwähnt wurde. Heute wird das Weingut von meinem Vater Leopold und meinem Onkel Stefan geleitet. Mein Bruder Martin und ich bringen das Wissen der nächsten Generation ein. Jedes Familienmitglied ist im Weingut eingebunden, die Aufgaben sind bestens verteilt. Wir sind auf Weißwein und hier insbesondere auf Grünen Veltliner und Riesling spezialisiert. Unsere Weine wachsen auf 120 Hektar in nachhaltig zertifizierten Weingärten rund um den Göttweiger Berg im Kremstal und in der Wachau.

Was zeichnet für Dich international Wein aus Österreich aus?
Österreichs Weine sind durch ihre Stilistik einzigartig. International gesehen ist Österreich zwar ein kleines Weinland, das aber viel zu bieten hat. In Österreich haben wir verschiedene Regionen mit verschiedensten Böden, Mikroklimata und Rebsorten.

Welchen Wein trinkt eine Weinkönigin am liebsten?
Prinzipiell bin ich eine Genießerin von allem Guten, das ist aber auch saisonabhängig. Im Frühling und Sommer trinke ich am liebsten ein Glas vom klassischen Riesling oder vom Veltliner, jetzt in der kalten Jahreszeit lieber kräftige Weißweinreserven, aber natürlich auch Rotwein wie unsere Cuvée Diana 2017.

GENUSS.Info: Interview aus dem GENUSS.Magazin 08/2020 (Printausgabe) vom 25.11.2020.

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