GENUSS Kolumne: Reine Hopfsache

Ein Artikel von Pepi Hopf | 18.02.2021 - 16:00
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Pepi Hopf mag Fleisch.
© Elena Meraner; Foto Pepi Hopf: Barbara Hartl Graph Art Line e.U.

Verzeihen Sie diesen eindeutig zweideutigen Titel, aber mit Speck fängt man bekanntlich Mäuse und mit schlüpfrigen Überschriften Leser. Freut mich, dass es geklappt hat, Grüß Sie!

Bei uns zu Hause ist der Glaubenskrieg entflammt! Fleisch, ja oder nein? Und ja, es ist auch ein Krieg der Geschlechter, auf der einen Seite die weiblich-vegane Heilsarmee, auf der anderen Seite die männlichen Fleischfresser-Partisanen. Als oberster Feldherr der Schnitzelkämpfer bin ich in letzter Zeit schwer ins Wanken geraten, da die Gegenseite schlichtweg über die besseren Argumente verfügt.

Gesundheitliche Gründe kümmern mich da wenig. Ich halte es da mit Ernst Happel: Lieber den Jahren mehr Leben geben als dem Leben mehr Jahre. Und ob ich jetzt 100 oder 70 Jahre alt werde, ist universell gesehen nicht einmal ein Rundungsfehler. Was mich vielmehr bewegt sind Massentierhaltung, Billigfleisch et cetera.

Fleisch ist zu billig, da sind sich wohl alle einig. Es hat seinen Wert verloren: Auf dem Griller um 2.000 Euro landen dann Würstel um 70 Cent, um den großartigen Klaus Eckel zu zitieren. Aber wollen wir in eine Zeit zurück, wo es nur der privilegierten Oberschicht vorbehalten war, ein Schnitzel auf dem Teller zu haben? Und würde ein deutlich höherer Preis tatsächlich die Produktionsbedingungen der Fleischindustrie verbessern oder doch nur die Gewinne maximieren, an denen der eigentliche Produzent wohl wieder nur marginal beteiligt wäre?
Meine Damen argumentieren, dass uns jeglicher Fleischkonsum zu Mittätern macht und wir Fleischfresser nur durch beharrliches Wegschauen das Zeug essen können. Dagegen gibts nichts zu argumentieren, aber muss die radikale Lösung dieser Probleme denn gleich Brokkoli sein?

Lässt sich da nicht ein Kompromiss finden? Ich möchte Sie an unseren bis dato gescheiterten Versuchen teilhaben lassen.

Plan A:

Die einfachste Lösung wäre das Halten eigener Schweine gewesen. Wir haben reichlich Gemüse zum Füttern und auch eine ausreichend große Fläche. Da ich meine Lieben und mich kenne, war mir klar, dass Nutztiere ganz schnell zu Haustieren aufgestiegen wären. Daher schlug ich meiner Frau vor, die Schweine Adolf Hitler und Eva Braun zu taufen, den Kindern ständig Fernsehdokus über die Gräuel der Nationalsozialisten zu zeigen und so die nötige Distanz zu schaffen. Ihre Frage, ob ich meine Medikamente nicht genommen hätte, erübrigte jede weitere Diskussion. Außerdem ist es fraglich, ob ich es selbst geschafft hätte, ein Tier zu essen, das ich persönlich kannte, vom Schlachten reden wir da noch gar nicht. Es fehlt mir schlichtweg das „Killer-Gen“. Gelsen und Fliegen kann ich zwar problemlos ins Jenseits befördern, der Nährwert einer solchen Beute hält sich aber in Grenzen. Ab der gemeinen Hausmaus delegiere ich diese Aufgaben bereits an unsere Katzen. Ich würde es niemals zustande bringen, einem Schwein den Garaus zu machen.
Und angeblich sind die Borstenviecher äußerst klug und zutraulich. Damit würde unser Hund schon schlecht aussteigen, der ist nämlich nur zutraulich. In manchen Ländern Asiens gilt der Berner Sennenhund übrigens als absolute Spezialität – und ich gestehe, nach der mutwilligen Zerstörung meiner Bühnenschuhe seitens des Köters auch schon Rezepte gegoogelt zu haben. Aber das ist eine völlig andere Geschichte.
Fakt ist: Eine eigene Tierhaltung würde zu leeren Tellern und zu einer Zunahme unseres Haustierbestandes führen. Daher: nicht praktikabel.

Plan B:

Wir reduzieren unseren Fleischkonsum auf ein Minimum. Vorschlag meiner bezaubernden Frau: Fleisch gibts nur sonntags! Ich falle in Ohnmacht, der Pubertierende droht mit Auszug und der Fünfjährige meint, sein Körper vertrage so viel Gemüse auf Dauer nicht.

Plan C:

Wir essen öfter Fleisch, kaufen dieses aber Ab-Hof beim Biobauern ein. Diesem Vorschlag stimmte ich euphorisch zu, nicht ahnend, dass der Einkauf in meinen Verantwortungsbereich fällt. Ich gestehe, unfähig zu sein, diese eigentlich einfache Aufgabe zu managen: Ich vergesse darauf, bin außerhalb der Öffnungszeiten vor Ort, kenn mich nicht aus … die Liste lässt sich unendlich lang fortsetzen.
Fest steht: Seit ich für den Fleischeinkauf verantwortlich bin, sind wir radikale Vegetarier! Die Buben werden sicher demnächst einen Putschversuch anzetteln und meine Damen grinsen mich triumphierend an. Aber ich arbeite an mir: Der Geist ist willig, nur das Fleisch ist schwach!

In diesem Sinne,
Ihr Pepi Hopf

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