GENUSS.Essen: Haben die Steirer ein Glück!

Ein Artikel von Herbert Lehmann | 25.05.2020 - 16:11
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Ferkel bei Landwirt Hannes Obendrauf
© Herbert Lehmann

Dass in Österreich wunderbares und qualitativ hochwertiges Schweinefleisch erzeugt wird, merkt man nicht nur, wenn man im Wirtshaus sein Bratl isst. Wurst – Schinken – Schnitzel: Schweinefleisch hat statistisch gesehen weitaus den größten Anteil beim Fleischkonsum. Markenprogramme wie „Steirerglück“ mit dem AMA-Gütesiegel als Basis und all seinen flankierenden Maßnahmen zur Qualitätssicherung sind die treibenden Kräfte für erstklassiges Schweinefleisch in Rot-Weiß-Rot.

Das Glück fällt nicht vom Himmel. Oder vielleicht doch? Die Firma Steirerfleisch mit Sitz in Wolfsberg im Schwarzautal unweit von Graz ist wohl der größte Erzeuger und Vermarkter von Schweinefleisch in unserem Land. Zu den heimischen Kunden zählen neben den großen Fleischverarbeitungsbetrieben und dem Lebensmitteleinzelhandel auch Lieferanten der Systemgastronomie, Cash & Carry Märkte sowie viele Fleischerfachgeschäfte.

Export als starkes Standbein

Bemerkenswert sind auch die Exportzahlen: Von den zerlegten Schweinen gehen rund 45 Prozent über die Grenzen, hauptsächlich in die EU-Staaten, aber auch bis nach Südkorea, Japan und China. Faszinierend, dass dieser 300-Millionen-Euro-Betrieb aus einem kleinen Viehhandel entstanden ist, mit dem Alfred und Christa Scheucher in den 1960er-Jahren begannen. Schnell ging es ordentlich bergauf und 2002 übernahm Tochter Karoline den Betrieb und führt ihn gemeinsam mit ihrem Mann, Alois Strohmeier. 2006 kam ein zusätzliches Werk in Wolfsberg zu Steirerfleisch hinzu und wurde der neue Stammsitz. 2012 übernahm man den Mitbewerber Jöbstl in Straß in der Steiermark. Damit die Ware auch gut ankommt, entstand 2019 ein state-of-the-art „Packwerk“ in Wolfsberg, wo die Produkte vielfältigst und technisch auf höchstem Niveau verpackt werden.

Erfolg mit Landwirten und AMA-Gütesiegel

So eine Erfolgsstory geht natürlich nicht ohne tatkräftige Partner und das sind in diesem Fall die Landwirte und das AMA-Gütesiegel. 2012 wurde die Marke „Steirerglück“ ins Leben gerufen. Ziel war es, eine Premiummarke mit AMA-Gütesiegel zu schaffen, die mit den erweiterten AMA-Richtlinien eine besondere Fleischqualität auf den Markt bringt. Das Ergebnis ist überzeugend: So werden in Österreich rund achtmal weniger Antibiotika in der Tierzucht verwendet als in Deutschland, und ausschließlich im Krankheitsfall.

Waren es am Anfang 100 Landwirte, die nach den strengen Kriterien produzierten, so sind es mittlerweile knapp 300 ausgewählte bäuerliche Betriebe, die im Schnitt 4.000 Schweine wöchentlich zur Schlachtung anliefern. Wichtig bei diesem Programm sind neben der Normierung der erlaubten Futtermittel und Einhaltung der Tierwohlstandards, dass die Geburt und die Mast in der Steiermark erfolgen. Der Großteil der Landwirte ist in den Bezirken Leibnitz und der Südoststeiermark angesiedelt. Das bringt den Vorteil der kurzen Wege zum Verarbeitungsbetrieb.

Ein typischer Mitgliedsbetrieb

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Perfekte Partnerschaft zwischen Vermarkter und Urproduzent: Der „Steirerglück“-Verantwortliche von Steirerfleisch, Werner Pail (links), und einer seiner treuen Landwirte, Hannes Obendrauf, vulgo „Radl“, aus Lappach, ein AMA-Gütesiegel-Bauer. © Herbert Lehmann

Das GENUSS.Magazin besuchte den Landwirt Hannes Obendrauf vulgo „Radl“ in Lappach, er führt einen typischen Familienbetrieb in der Region. Seine Frau und seine Eltern helfen mit, die 150 Hektar Ackerbau, die 1.200 Mastschweine und 160 Zuchtsauen zu versorgen. Das Futter stammt hier größtenteils von den eigenen Feldern. Soja und Mineralstoffe werden zugekauft und, nachdem man hier im „Sterzgürtel“ angesiedelt ist, wird hauptsächlich Mais, der geschrotet oder als Ganzkorn, ernte­feucht, in luftdichten Silos eingelagert wird, gefüttert. Hinlänglich bekannt ist, dass Futtermittel ein entscheidender Faktor in der Produktion von gesunden Tieren sind und in weiterer Folge von gutem Fleisch. Deswegen hat die AMA die Richtlinie „pastus+“ entwickelt. Dabei handelt es sich um ein Qualitätssicherungssystem für Futtermittel.

Betriebe, die mit dem AMA-Gütesiegel ausgezeichnet sind, dürfen nur entsprechend gekennzeichnete Futtermittel von zertifizierten Herstellern verwenden. Hohe Hygienestandards und unabhängige Kontrollen sorgen für eine erstklassige Qualität, die Einhaltung der Standards und eine Rückverfolgbarkeit in der Produktion und der Verarbeitung.

Der Herr im Haus

Alles bleibt in der Familie! Neben dem Futter ist auch noch die Zucht für gute Fleischqualität verantwortlich und der Einfachheit halber – kurze Wege – gibt es auch einen prächtigen Pietrain-Eber im Stall, der auf eine Kreuzung Edelschwein + Landrasse aufgesetzt wird. So wachsen im Turnus rund 125 Ferkel am Hof heran. An Platz fehlt es ihnen hier nicht und sogar die ausgewachsenen Mastschweine haben im Schnitt 15 Prozent mehr Platz zur Verfügung, als die Mindestanforderung vorgibt. Dieser Mehraufwand und die Einhaltung der strengen Kriterien des AMA-Gütesiegels sind dem Markeninhaber Steirerfleisch ordentliche Regionalboni wert. Natürlich schlägt das auf den Endpreis durch, aber der Lohn dafür sind treue und engagierte Abnehmer, die das Mehr an Qualität erkennen, zu schätzen wissen und genießen.

GENUSS.Tipp

Probieren Sie doch mal eine typisch steirische, bäuerliche Spezialität: Klachelsuppe mit Heidensterz.
>> Hier geht es zum Rezept!