Naschen 2020: Zuckerl für das Wohlbefinden

Ein Artikel von Simone J. Taschée | 19.02.2020 - 16:00
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© Dr. C. Soldan/Em-Eukal

Angefangen hat es im Jahr 1899, als Dr. Carl Soldan in Nürnberg mit sogenannten Medizinaldrogen in die Selbstständigkeit trat. Das waren Produkte mit positiven Wirkstoffen für den menschlichen Körper, die sich daneben durch eine unbestechliche Qualität auszeichneten. Der promovierte Apotheker begründete damit den allseits bekannten geschützten Markennamen und lancierte 1923 das klassische grün umwickelte Em-eukal mit der unverwechselbaren weiß-roten Fahne. Die Hartkaramelle wurde zwei Jahre später als Warenzeichen angemeldet und erfreute sich vor allem in den 1950er-Jahren großer Beliebtheit. Damals verschrieben Ärzte das wohltuende Premiumzuckerl den Bergleuten im Ruhrgebiet gegen deren Bronchialbeschwerden.

Schlag auf Schlag ging es weiter. Unter der Ägide von Carls Sohn Hermann kam 1932 der sogenannte „Aecht Bayrische Blockmalz“ auf den Markt. Das kultige Original wird damals wie heute über offenem Feuer gekocht und danach in Stücke geschlagen. Die Geburtsstunde von Kinder Em-eukal war dann 1972. Daran erinnert sich Perry Soldan, der die Geschicke des Hauses seit 2005 in vierter Generation lenkt, gerne selbst zurück. Die Idee dazu war seinem Vater Felix, einem gelernten Bonbonmacher, beim Aufenthalt in den Vereinigten Staaten gekommen. Rund zehn Jahre lang hatte er dort Bonbonmaschinen verkauft. Zurück in Deutschland lancierte er für die kleinen Herrschaften – ein absolutes Novum – mildere, mit Vitaminen angereicherte Hustenbonbons. Sohn Perry, der heutige Firmenchef, war damals nicht nur freiwilliger Verkoster, sondern erstes Testimonial der neugeborenen Kinderbonbonmarke.

Jeder nach seiner Fasson

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Perry Soldan © Nina Thilo

Wie war das eigentlich, in der Kindheit ständig von feinsten Bonbons und Karamellen umgeben zu sein, Herr Soldan? Der Urenkel des Gründers plaudert aus dem Nähkästchen und erzählt, wie er tagtäglich mit seinem Vater hinter die Kulissen der köstlichen Bonbonkocherei blicken konnte. Schmunzelnd gibt er zu, wie ungern seine Eltern es sahen, wenn er sein Taschengeld für beliebige Süßware ausgab. Dass er selbst einmal in die Fußstapfen seiner Vorfahren treten würde, war für ihn nicht von Anfang an klar. Eigentlich wollte er Schauspieler oder
Di­plomat werden. Nach der Schule sammelte er erst einmal eigene Be­rufs­erfahr­ungen. Aber dann wurde die Zeit reif und das Thema Nachfolge kam auf den Tisch – der Einstieg in die Bonbonkocherei seiner Familie war schließlich doch logischer Schritt.

Aus der Sicht von Perry Soldan prägt jede Generation ein Unternehmen auf ihre Weise. Als Gründer war die vorrangige Motivation seines Urgroßvaters sicherlich zu helfen, gehörten damals doch genauso Produkte wie Zahnweißpulver oder Lebertran zum Sortiment. Sein Großvater war eher schon in Richtung Industrialisierung orientiert, während sein eigener Vater als gelernter Bonbonkocher eben alles Herzblut in Rezepturen und Produkteigenschaften steckte. Er bastelte gerne an seinen Zuckerln und etablierte Dr. C. Soldan als ersten Hersteller in Europa, der Isomalt als Süßungsmittel einsetzte. Die ersten zuckerfreien Versionen ließ er bereits Ende der 1980er-Jahre vom Stapel. Sich selbst sieht der sympathische Firmenboss übrigens klar als Impulsgeber für die Kategorie, um bestehende Dinge in neue Kompositionen zu gießen.

Ein gar magisches Handwerk

Das viel diskutierte Thema Zucker wird im Hause Dr. C. Soldan offen und realistisch behandelt. Herr Soldan wünscht sich, dieses an der Wurzel anzupacken. Jeder solle mit in die Verantwortung genommen werden, niemand dürfe es sich leicht machen – von der Politik über die Produzenten bis zu den Eltern. Aufklärungsarbeit, der Kampf gegen einseitige Ernährung genauso wie ein klares Verständnis der Ernährungsphysiologie sind nur einige Punkte, um dem unkontrollierten Konsum von Süßware entgegenzuwirken.
Eine Sache hält er bei der Gelegenheit aber fest: Als Hersteller süßer Produkte verhehle er den Inhaltsstoff Zucker ja nicht. Will heißen: Bonbons wären keine Erzeugnisse mit verstecktem Zucker, sondern man stehe dazu und mache es auch deutlich. Darüber hinaus sei erwiesen, dass Süßware für nur sieben Prozent des gesamten täglichen Kalorienverbrauchs verantwortlich zeichne. Der Löwenanteil von 93 Prozent solle bei anderen Lebensmitteln gesucht und ebendort eingespart werden.

Qualität mit Leidenschaft

Als DER Bonbonspezialist aus Deutschland sieht sich Familie Soldan höchstgradig dem mit Leib und Seele gelebten Handwerk verpflichtet. Für Perry Soldan ist die Komplexität, der hohe Anspruch, den seine Produkte in sich tragen, um perfekt zu sein, einfach magisch. Die Qualität und Empfindlichkeit der Zutaten, deren Dosierung, die Anforderungen an den Kochprozess, die unterschiedlichen Abkühlgeschwindigkeiten – all diese Kriterien machen ein Hustenbonbon zu einem hochsensiblen Produkt, dessen Erzeugung Mühe und Zeit kostet. Die finale Kreation schlussendlich am Gaumen zu erleben, sei die wunderschöne Belohnung, die den Beruf des Bonbonmachers so anziehend mache – seit 1899, so auch im Jahr 2020. Fortsetzung folgt ...