Eine Wiener Institution hat wieder geöffnet

Ein Artikel von Karin Vouk, Biersommelière und Beerkeeper [Master Level] | 19.05.2020 - 17:00

Die 100. Saison der Familie Kolarik im Schweizerhaus im Prater begann, wie schon einige Saisonen, anders als geplant. Ein Viertel der Saison ist bereits verstrichen und man öffnete am Freitag, 15. Mai 2020, mit 40 Prozent weniger Tischen. Der Betrieb ist durch die Einschränkungen und Auflagen derzeit kaum kostendeckend und geschlossen zu bleiben wäre wirtschaftlicher. Aber was wäre der Prater in der warmen Jahreszeit ohne seinem Schweizerhaus? Etwas, das sich keiner vorstellen möchte.

Was bedeutet das für die Gäste?

Hygiene wird natürlich groß geschrieben. Daher setzt man auf Einwegspeisekarten, etwas, das vielleicht noch zu einem Souvenir der Wiener wird. Aber man hat auch vor der Öffnung am Freitag alle Mitarbeiter getestet – und alle Tests waren negativ. Auch wird die beliebte Stelze nicht mehr durch die Kellner aufgeschnitten, sondern der Kunde bekommt dazu eine Anleitung. Reservierungen sind natürlich möglich und auch erwünscht, es wird aber ein Drittel der Tische für Stammgäste und Laufkundschaft freigehalten. Und selbstverständlich gibt es auch wieder Budweiser. Wie köstlich das Bier frisch gezapft nach über zwei Monaten Pause schmeckt, davon konnte ich mich bereits bei der Pressekonferenz am Tag vor der Eröffnung überzeugen.

Buch: Das Schweizerhaus – Die Geschichte einer Wiener Institution

Das Schweizerhaus hat eine lange Geschichte und Tradition in Wien. Erstmals wurde es als die „Schweizer Hütte“ 1716 in einer britischen Reiseschrift erwähnt. Auch die „Fiakermilli“ wollte dieses Haus einst betreiben. Man erteilte ihr aber wegen ihrer frivolen Auftritte in Männerkleidung nicht die Bewilligung dazu. Ab 1920 übernahm der damals noch minderjährige Karl Kolarik das Haus. Im 2. Weltkrieg zerstört und danach wieder aufgebaut, arbeitet heute bereits die dritte Generation im Haus. Budweise, das Bier, ohne dem man sich das Schweizerhaus heute nicht vorstellen kann, gibt es hier seit 1926.

Dabei ist es eher einem Zufall zu verdanken, dass sich Karl Kolarik genau für dieses Bier entschieden hat. Auch war man immer innovativ und hat sich immer wieder Neues für die Gäste einfallen lassen. So ist das Schweizerhaus in all den Jahren zu dem geworden, wie wir es heute kennen. Aber man bleibt in Bewegung und so wird sich das Schweizerhaus auch sicher in Zukunft immer wieder neu erfinden, ohne seine Wurzeln zu verlieren und dabei seine Tradition bewahren. Nachlesen kann man dies und vieles mehr in dem Buch. Dafür wurden liebevoll Zeitdokumente gesammelt, diese zeigen auf eindrucksvolle Art, wie das Schweizerhaus nicht nur die Wiener bewegte und noch heute bewegt. Auch, wie es zu einem der Lieblingsorte der Wiener, von Touristen und auch zu einen Treffpunkt für Prominente wurde. Auf den letzten Seiten findet man dann auch noch ein paar original Schweizerhaus-Rezepte: Beliebte böhmisch-österreichischer Schmankerl, die zum Nachkochen einladen.

Das Schweizerhaus.
Untertitel: Geschichte einer Wiener Institution
Autor: Herbert Lackner
ISBN: 978-3-8000-7747-2
durchgehend farbig, mit vielen Fotos
Seitenanzahl: 104
Carl Ueberreuter Verlag, Sachbuch