Glasklarer Luxus

Ein Artikel von Annette Behr | 10.07.2019 - 17:30
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© Stockfood

Das Wasser plätschert und gluckst vor sich hin. Gleichmäßig bilden sich kleine, schwappende Wellen mit Schaumkronen, die allmählich im Sand versickern. Als ich nach längerem Dösen in der Sonne die Augen öffne, haben sich auf meinen Schultern glitzernde Schweißperlen gebildet.
Ein sicheres Zeichen, dass der erhitzte Körper dringend einer Abkühlung bedarf. Ein kühles Bad in dem klaren Bergsee und ein Schluck sprudelndes Mineralwasser kitzeln meine Sinne ...

HYDROPHILER IMAGE-WANDEL
"Wasser ist das Blut der Erde", philosophierte schon Leonardo da Vinci über die kostbare Flüssigkeit. Als Getränk galt Wasser in früheren Zeiten jedoch als fad und unsinnlich.
Erst in den letzten Jahren avancierte es zum trendig süffigen Lifestyledrink, dessen Imagewandel überall sichtbar ist. Das "Wasser to go" in der Hand gehört zum Outfit des Businessmenschen ebenso, wie zu dem des Stadtflaneurs. Die körperbewusste "Generation Wasser" hat den glasklaren Trunk zum gesunden Trendelixier erkoren. Denn Wasser steht für Lebenskraft, ist Synonym für Fitness, Vitalität und Schönheit.
Aus allen Quellen der Welt sprudeln die Wässer für individuelle Vorlieben. Wie bei einem edlen Wein bestimmt auch die Herkunft des Wassers dessen Geschmack. Salzig, eisern, süßlich, felsig, muffig oder weich kann es schmecken. Wasser ist zum schicken Luxus geworden. Das Angebot von Wässern aus Norwegen, Beverly Hills, den Pyrenäen oder den Fidschi-Inseln findet neben den einheimischen Wässern großen Anklang.
Das größte Kaufhaus Kontinentaleuropas, das Berliner KaDeWe, bietet 150 Sorten verschiedenster Wässer an. Luxushotels, wie das Ritz Carlton in New York oder das Adlon in Berlin, verfügen über eine Wasserbar mit umfassender Wasserkarte - über 40 Sorten sind da keine Seltenheit. Mit einem eigenen Wassersommelier können allerdings nur wenige Spitzen-Herbergen glänzen. Das Gourmet-Restaurant "Fischers Fritz" im Hotel "The Regent Berlin" kann es.
Es hat sich Arno Steguweit, Weinfachmann mit Wasser-Faible, ins Team geholt. "Trinken gehört eben zu meinem Beruf", lacht er und hat im Laufe seiner Tätigkeit auch schon so einiges herausgefunden. "Die Wahl des Wassers zum Beispiel hängt durchaus vom Geschlecht ab.
Männer tendieren demnach eher zu kräftigeren Wässern, Frauen bevorzugen die feinen Leichten", ist Steguweit überzeugt. Dass auch das Auge mittrinkt, weiß Maruks Del Monego, Weltmeister der Sommeliers. Er hält viel von der Art und Weise des Mineralwasser-Servierens. "Die Flasche ermuntert den Gast zum aufmerksamen Genießen", meint er. Die Prom
iwelt zelebriert den Wassergenuss aus extravaganten, flaconähnlichen Fläschchen. Für die perfekte Wasser- Liaison entwarf der weltberühmte Modedesigner Christian D Lacroix gar eine limitierte Haute Couture-Variante für ein französisches Wasser. Die hippe Flasche "Bling" zieren Swarovski Kristalle. Das High-Society-Wasser aus einer Quelle in Tennessee ist für 75 Euro pro Flasche preiswert wie Champagner. Ein Geheimtipp und daher bisweilen schwer zu bekommen, ist das kanadische Prämiumwasser "10thousand BC". Es besteht zu 100 Prozent aus aufgetautem Gletschereis, das über 10.000 Jahre gefroren und von jeglichen Umwelteinflüssen unberührt war.
Ob es sich beim Gletschereis nur um chic aufgemachtes Wasser oder tatsächlich um einen erlesenen Tropfen handelt, kann wohl nur durch einen Selbstversuch geklärt werden.

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© Burj Al Arab

BRAINDRINK UND SCHÖNHEITSELIXIER
"Leitungswasser ist der beste und billigste Durstlöscher", meint der Ernährungsmediziner Prof. Dr. Helmut Rottka. Österreicher können unbeschwert auf qualitativ hervorragendes Leitungswasser und heimische Mineralwässer zurückgreifen. Ob stilles oder kohlensäurehaltiges Wasser getrunken wird, ist aus medizinischer Sicht völlig egal.
Wichtig ist nur die ausreichende Menge. Damit es nicht zu Kraftlosigkeit und Motivationsschwäche kommt, sollten täglich zwei bis drei Liter Wasser getrunken werden. Mittels des klaren Elements hält der Körper seine Temperatur, transportiert Stoffwechselgifte ab und befördert Nährstoffe und Sauerstoff zu den Zellen. In Stress-Situationen oder bei physischer Anstrengung verhindert Wasser, dass es im Körper zu einer Übersäuerung und damit zu Schwindelgefühl kommt. Als idealer Braindrink darf Wasser besonders am Arbeitsplatz nicht vergessen werden. Damit Sie im Arbeitsalltag nicht auf das Trinken vergessen, hier ein paar Tipps: Stellen Sie jeden Morgen eine volle Flasche Mineralwasser auf Ihren Schreibtisch, damit Sie immer einen Schluck parat haben, wenn Sie gerade daran denken. Auch während Besprechungen sollte Mineralwasser nicht fehlen, so bleibt der Kopf klar für neue Ideen. Bestellen Sie beim Mittagessen in der Kantine oder im Restaurant immer ein Glas Wasser dazu.
Am Nachmittag nutzen Sie die Kaffeepausen ebenfalls für einen Schluck Wasser - einfach zu jeder Tasse Kaffee auch ein Glas Wasser trinken. Abends überprüfen Sie, wieviel Sie im Laufe des Tages getrunken haben. War es zu wenig, füllen Sie gleich den fehlenden Bedarf auf.
Wenn Sie ausreichend Wasser zu sich nehmen, stellt sich ein angenehmer Nebeneffekt auch in Sachen Schönheit ein. Gut durchfeuchtete Hautzellen sehen frisch und straff aus. Fehlt die Flüssigkeit, wirkt die Haut schnell fahl und trocken. Außerdem verhilft Wasser zur Bikinifigur. Allein das Trinken von 1,5 Liter Wasser verbrennt 100 Kalorien. Daher mit dem Schönheitselixier nicht geizen. Ran an den Alleskönner! Welches Wasser Sie erwählen, ist reine Geschmackssache, wichtig ist das Bewusstsein für das erlesene Nass zu schärfen. Schon der griechische Philosoph Thales von Milet wusste: "Das Prinzip aller Dinge ist das Wasser, aus Wasser ist alles, und ins Wasser kehrt alles zurück."