Frisch verkostet: Erste Lagen ÖTW

Ein Artikel von Daniela Dejnega | 11.09.2019 - 17:00

Bei seinem Premierenauftritt präsentierte sich der Jahrgang 2018 durchaus heterogen.
Das sehr warme Jahr 2018 brachte dem Weinland Österreich den frühesten Lesebeginn aller Zeiten und eine reiche Ernte. Das Erste-Lagen-Tasting der ÖTW Anfang September gab einen ausgezeichneten Einblick in die Qualität des Jahrgangs 2018 im Donauraum. Insgesamt stellten sich heuer 198 Weine von 64 Winzern aus dem Kamptal, Kremstal, Traisental und vom Wagram sowie aus Wien und Carnuntum der mehrtägigen, perfekt organisierten Verkostung.

Herausforderndes Jahr

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Österreichische Traditionsweingüter: Silent Tasting, Schloss Grafenegg, Niederösterreich © Herbert Lehmann

Warmes Wetter und eine sehr frühe, rasche Reife der Trauben sorgten 2018 für tendenziell niedrige Säurewerte und etwas höhere Alkoholgehalte im Wein, zudem stellte sich Gerbstoff als Thema des Jahrgangs heraus. Den richtigen Lesezeitpunkt und die passende Balance zu finden, gelang einigen Winzern und Winzerinnen besser als anderen.
So lieferten sowohl die Grünen Veltliner als auch die Rieslinge beim Tasting ein durchwachsenes Bild. Mit überaus reifen Fruchtnoten präsentierten sich viele Veltliner saftig und bereits zugänglich. Manchen Weinen jedoch mangelte es an Struktur, Fokus und Spannung, sie tendierten in die Breite oder verloren sich in einem von rauen Gerbstoffen geprägten Abgang. Die Rieslinge konnten generell mehr Frische halten und einige Weingüter zeigen gekonnt vor, was im Jahrgang 2018 möglich war.

Kamptaler und Kremstaler Highlights

Im Kamptal legte Schloss Gobelsburg ein tolles Veltliner-Trio von den Rieden Lamm, Grub und Renner hin, und auch die „Lämmer“ der Weingüter Jurtschitsch und Birgit Eichinger schwiegen keineswegs, sondern tönten stimmig, feinstrukturiert, würzig und elegant.

Auch viele Kamptaler Rieslinge – oft ausgestattet mit viel Grip und einer ordentlichen Ladung Tannin, dies aber in viel Stoff und Schmelz eingebettet – machten Spaß. Sehr überzeugend traten zum Beispiel die Loiserberg-Rieslinge von Jurtschitsch, Loimer und Bründlmayer auf, wurden aber von der berühmteren Lage Heiligenstein noch übertrumpft. Topweine vom Heiligenstein stammten wiederum von Bründlmayer (Alte Reben!) und Jurtschitsch (Alte Reben!); das Weingut Hirsch gesellte sich noch dazu. Den schönsten und finessenreichsten Riesling vom Heiligenstein brachte allerdings Fred Loimer mit – vom Jahrgang 2017!

Auch im Kremstal konnten die Rieslinge mehr beeindrucken als die Grünen Veltliner. Wunderschöne Exemplare kelterten Franz und Patrick Proidl aus Senftenberg – den fantastischen Riesling Hochäcker – salzig, fein und präzise – sowie den saftigen Ehrenfels, der mit viel Stoff eine kompakte Balance hält. Nur der dunkelwürzige Ried Silberbichl und der supergriffige Ried Steinbühel von Malat konnten in dieser Riesling-Liga mitspielen, benötigen aber noch viel Zeit und zeigten erst in Ansätzen, was sie können.

Gelungenes Debüt in Rot

Zum allerersten Mal waren auch Rotweine beim großen Tasting in Schloss Grafenegg vertreten, denn erst seit 2018 dürfen sich 20 Winzer aus Carnuntum zu den Österreichischen Traditionsweingütern zählen. Ihre Ersten Lagen feierten mit dem Jahrgang 2017 ihre Grafenegg-Premiere. Dabei bestätigte die Lage Spitzerberg abermals ihre Sonderstellung in Carnuntum, zumal die Blaufränkischen von Dorli Muhr, Johannes Trapl und vom Weingut Pelzmann an Eleganz, Struktur und Trinkfluss kaum Wünsche offen ließen.

Daniela Dejnega ist Weinautorin und Redakteurin von DER WINZER.
Details und Verkostungsnotizen finden Sie hier: www.danieladejnega.com