GENUSS.bier.pur: Braumeister im Gespräch

Ein Artikel von Karin Vouk, Biersommelière und Beerkeeper [Master Level] | 09.01.2020 - 09:00
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Braumeister Dr. Andreas Urban
© Peter Rauchecker

Heimische Biervielfalt kann man täglich erleben, frisch vom Fass oder aus der Flasche. Doch wer sind die Menschen, die mit viel Wissen, Leidenschaft und Geschick diese Biere in höchster Qualität brauen? In persönlichen Interviews mit unserer GENUSS.Ressortleiterin Bier, Karin Vouk, erzählen Braumeister aus Österreich mehr aus Ihrem Alltag.

Wir beginnen mit Andreas Urban, der nun schon über zehn Jahre Braumeister der Brauerei Schwechat ist. Dabei verrät er uns auch, worauf es beim perfekten Bier vom Fass ankommt. Neben seiner Tätigkeit bei der Brauerei Schwechat ist Andreas Urban Präsident vom Bund Österreichischer Braumeister und Brautechniker. Er ist nicht nur regelmäßiger Verkoster im GENUSS.Magazin, sondern zählt auch zu den Juroren der Austrian Beer Challenge, des European Beer Star und des World Beer Cup.

Herr Urban, Sie sind Braumeister in einer der geschichtsträchtigsten Brauereien der Welt. Hier in Schwechat wurde das Lagerbier erfunden. Wie gehen Sie mit dieser Verantwortung um, die sich daraus ergibt?
Es erfüllt mich mit Stolz, dass ich in der Brauerei Schwechat mit meinem Team auf den Spuren von Anton Dreher wandeln darf. So haben wir vor drei Jahren begonnen, den von Anton Dreher begründeten Bierstil des Wiener Lagers unter Berücksichtigung von alten Aufzeichnungen neu zu interpretieren.

Sie sind Braumeister der Brauerei Schwechat. Wie sieht Ihr Aufgabenbereich aus?
Mein Verantwortungsbereich erstreckt sich von der Würzeherstellung im Sud­haus über die Gärung, Lagerung und Filtration bis hin zur Abfüllung unserer Biersorten. Ebenso sind auch die Qualitätssicherung und die Instandhaltung inkludiert.

Welche Ausbildung ist für Ihre Position erforderlich?
Auf jeden Fall eine gehobene brautechnische Ausbildung. Ich habe beispielsweise an der Universität für Bodenkultur studiert und mich während meiner Diplom- und Doktorarbeit in die Bauereitechnologie vertieft.

In Österreich hört man immer wieder von Konsumenten, dass Bier vom Fass die beste Form ist, Bier zu genießen. Wie stehen Sie dazu?
Bier aus dem Fass weckt Emotionen. Wenn das perfekt gezapfte Glas Bier mit einer krönenden Schaumkrone serviert wird, werden die Erwartungen des Gastes voll erfüllt. Ein dichter, feinporiger, lang anhaltender Schaum ist in unseren Breiten ein wichtiges Qualitätsmerkmal.

Warum ist die Hygiene der Schankanlage für ein gepflegt gezapftes Bier so wichtig?
Um dem Motto „Qualität vom Hahn ins Glas“ gerecht zu werden, ist der Zustand der Schankanlage von großer Wichtigkeit. Auf den letzten Metern von der Schank zum Gast kann die ganze Arbeit, die im Bier steckt, zunichte gemacht werden. Eine „verdreckte“, nicht gereinigte Schankanlage kann dem Konsumenten den Biergenuss vermiesen. Auf diese Weise „misshandeltes“ Bier schadet dem Ruf der Brauerei.

Die Brauerei Schwechat bietet einige Biere ausschließlich als Fassware an. Warum ist das so und welche Biere sind das genau?
Neben der gepflegten gehopften Hopfenperle, die nahezu einem Pils entspricht, ist auch unser Schwechater Zwicklbock in der jeweiligen Jahrgangsedition nur im Fass erhältlich. Ein Alleinstellungsmerkmal für den ausgewählten Schwechater Wirt.

2019 feierte das Zwickl der Brauerei Schwechat sein 20-jähriges Jubiläum. Zwickl war lange Zeit ausschließlich als Bier vom Fass erhältlich. Warum ist man den Weg gegangen, Zwicklbier auch in Flaschen anzubieten?
Mit der Abfüllung in die Nostalgieflasche wollten wir diese bierige Kostbarkeit auch einer breiteren Bierkennerschar zugänglich machen.

www.brauunion.at

GENUSS.Info

Der von Dr. Andreas Urban erwähnte Schwechater Zwicklbock war auch bei der Verkostung"Festtagsbiere" im GENUSS.Magazin 08/2019 mit dabei und konnte sen­sationelle 4 von 5 Sternen erreichen.