Die Weinwirtschaft in Zeiten von Corona

Ein Artikel von Alexander Lupersböck | 18.03.2020 - 17:00
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© bernhardbergmann.com

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Eine Meldung auf Facebook vom steirischen Vulkanlandwinzer Gottfried Lamprecht – aktueller Sieger unserer Bioweintrophy in GENUSS 01/2020 – lässt Optimismus aufkommen: Er ist demnach ausverkauft und hat seine letzten Weine per Paketdienst verschickt. Ist das eine Ausnahme oder wird tatsächlich mehr Wein gekauft?

Unsere Anfrage per Telefon bestätigt: der Herrenhof Lamprecht ist wirklich ausverkauft - mit seinen auf knapp zehn Hektar biodynamisch angebauten Weinen bedient er ein wachsendes Kundensegment.

Den nächsten Jahrgang früher zu Füllen kommt für Gottfried nicht in Frage. „Das würde auch gar nicht gehen, denn dazu brauchen wir sieben bis acht Personen, und derzeit dürfen ja nur fünf Leute zusammen arbeiten. Vor der VieVinum Anfang Juni brauche ich die neuen Weine auch nicht, aber sehen wir mal, wie sich das entwickelt. Für die Weingartenarbeiten habe ich jedenfalls genügend Leute da, ich bin also in einer durchaus glücklichen Situation.“

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© Domäne Wachau / Wurnig

Roman Horvath MW (Master of Wine), Geschäftsführer der Domäne Wachau berichtet im Moment (Stand: 18.3.) von normalen Absätzen im Lebensmittelhandel und im Export, macht sich aber keine Illusionen: „Wein ist ein geselliges Getränk. Ich glaube nicht, dass man zu Hause im Familienverband mehr trinkt als auswärts und in der Gastronomie. Deren Wegfall betrifft uns alle, denn ich sehe Wein als Teil der Freizeit- und Gastronomiewirtschaft.“

Das Vinotheks- und Veranstaltungsteam ist in Kurzarbeit, die Verwaltung auf Heimbüro. Arbeitskräftemangel ist für die Genossenschaft kein Thema, denn die Weinberge werden von den Eigentümerfamilien bearbeitet.

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© Alphart am Mühlbach

Weingüter mit Heurigenbetrieb sind von den Corona-bedingten Einschränkungen deutlich mehr betroffen, so Lorenz Alphart vom Weingut Alphart am Mühlbach in Traiskirchen. „Wir haben zwar einen Webshop, aber der fängt uns den Verlust vom fehlenden Heurigenbetrieb nicht auf. Ab Hof geht der Einkauf natürlich noch, aber ich glaube, dass im Moment Wein auf der Prioritätenliste der meisten Menschen nicht ganz vorne steht. Einen Teil werden wir wieder aufholen können, wenn die Leute wieder zum Heurigen gehen können, aber das hängt natürlich davon ab, wie lange die Schließungen dauern.“ Dafür hat er nun viel Zeit für die Weingartenarbeit und hofft auf eine Rückbesinnung: „Vielleicht schätzen mehr Leute in Zukunft die Schönheit unserer Region und den Wert regionaler Produkte, das würde uns allen helfen.“

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GENUSS.Tipp

Die meisten heimischen Winzer bieten auf Anfrage Lieferungen an und/oder haben Webshops. Erkundigen Sie sich einfach beim Winzer Ihres Vertrauens!