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Ein Artikel von Alexander Lupersböck | 25.03.2020 - 15:00

Das aktuell kühle Wetter hilft nicht nur, die Ausgangsbeschränkungen besser durchzusetzen, weil die Lust auf Aufenthalte im Freien sinkt. Für die Weinbauern bringen die tiefen Temperaturen – ganz im Gegensatz zu den Obstbauern – sogar Beruhigung, da sich die Entwicklung der Rebstöcke abbremst, was die Gefahr von Frostschäden verringert. Wie gehen Österreichs Winzer mit der Situation in Woche zwei der Schließung aller Gastronomiebetriebe um?

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Sepp Reumann © Weingut Reumann

Josef und Maria Reumann vom gleichnamigen Weingut in Deutschkreutz im Mittelburgenland sind dafür bekannt, viel auf Achse zu sein und ihre Weine in der Gastronomie persönlich zu präsentieren. Jetzt sind sie zum Daheimbleiben gezwungen, „aber wenigstens komme ich einmal zum Lesen der ganzen Weinmagazine“, sagt Josef Reumann. Generell wirkt er entspannt: „Für uns sind die ersten Monate gut gelaufen, aber natürlich fehlt uns der Absatz in den Skigebieten. Dafür kann ich jetzt etwas von den Weinen zurücklegen und im Keller reifen lassen, denn das wird immer mehr nachgefragt.“ Über den Onlineshop läuft der Absatz „überraschend gut, aber vor allem nach Deutschland. In Österreich beliefern wir ja hauptsächlich den Fachhandel und die Gastronomie. Es gab die Überlegung, es im Lebensmittelhandel zu versuchen, aber da müssen wir sehr genau abwägen, unsere erfolgreiche Strategie nicht kurzfristig zu opfern.“ Seine beiden Angestellten können noch problemlos mit Sondergenehmigung einreisen, aber „da ich jetzt zu Hause bleiben muss, kann ich auch viel selber in den Weingärten machen. Wir sind ja nicht so groß, dass wir viel Personal bräuchten, das ist nun sicher ein Vorteil. Und wichtig: wir sind schuldenfrei, weil wir die großen Investitionen schon vor einigen Jahren gemacht haben. Daher bin ich zuversichtlich für unseren Betrieb.“

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Heidi Fischer und Roman Josef Pfaffl © R&A Pfaffl

Heidi Fischer vom Weingut R&A Pfaffl im Weinviertel hatte in der Vorwoche noch das Problem, dass sie die vor den Ausgangsbeschränkungen georderten Weine kaum ausliefern konnte, weil Transportkapazitäten fehlten. Mittlerweile ist es ruhig geworden am Weingut, denn „die Onlinebestellungen können die Verluste der Gastronomie und des Tourismus nicht wettmachen.“ Auch im sonst so wichtigen Export tut sich im Moment kaum etwas. „Eine Hälfte des Weingartenteams kommen aus ihren Herkunftsländern nicht mehr nach Österreich, die andere Hälfte darf nicht zurück in ihre Heimat – und wenn, müssen sie dort für 14 Tage in Quarantäne. „Derzeit ist noch keine sprichwörtliche Not am Mann. Die laufenden Initiativen, wo sich Weingartenhelfer melden können, müssen wir noch nicht in Anspruch nehmen, aber die Idee finde ich sehr gut. Wie alle anderen hoffen wir einfach darauf, dass das alles rasch vorübergeht. Da es allen gleich geht will ich nicht jammern.“

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Familie Gisperg © Weingut Gisperg

Johann Gisperg junior vom Burgundermacherweingut Gisperg in Teesdorf in der Thermenregion ist gerade auf Auslieferungsfahrt, während wir telefonieren. „Keine Angst, ich komme mit den Kunden nicht in Kontakt, ich stelle den Wein vor die Tür, dazu kommt ein Erlagschein. Genau so funktioniert das, wenn jemand Wein bei uns am Hof abholt. Es gibt keinen persönlichen Kontakt“, beruhigt der junge Winzer aufkommende Bedenken. Weiters können Weinpakete überall in Österreich zugestellt werden. Und, falls jemand die Weine vorher verkosten möchte: „Dann stellen wir Verkostungspakete zusammen. Ich bin froh, dass wir viele private Stammkunden haben, die nun zu uns halten und gehe der weiteren Entwicklung mit einer positiven Einstellung entgegen. Jetzt habe ich sogar Zeit, mich um die Einrichtung eines Webshops zu kümmern, was ich leider vorher vernachlässigt habe“, so Johann. Viel Zeit verbringt er auch in den Weingärten, was er durchaus genießt. In diesen Zeiten der Zwangsruhe kann er auch über seine Berufung reflektieren: „Ich mache als Weinbauer ein extrem emotional aufgeladenes Produkt, hinter dem die Geschichte von Generationen von Menschen steht. Wein ist hedonistisch, leidenschaftlich und nicht greifbar. Ich möchte mit Wein die Zeit kurz anhalten und Menschen einen schönen Moment schenken.“ Auch wenn die Situation derzeit alles andere als einfach ist, denkt Johann Gisperg an die Zukunft: „Wir sollten die Produktion im Land stärken und die Landwirtschaft wieder mehr schätzen. Das muss die Politik tragen, aber die heimischen Produkte müssen von den Konsumenten auch bewusst nachgefragt und gekauft werden.“

>> Hier geht's zu Teil 1 "Die Weinwirtschaft in Zeiten von Corona."

GENUSS.Tipp

Die meisten heimischen Winzer bieten auf Anfrage Lieferungen an und/oder haben Webshops. Erkundigen Sie sich einfach beim Winzer Ihres Vertrauens!