Die Mohren-Brauerei und die GENUSS.bier.pur Edition 2020

Ein Artikel von Karin Vouk | 05.10.2020 - 11:32

Zwar verläuft heuer nicht alles wie geplant, doch wir haben einen Weg gefunden! Und zwar nach Vorarlberg, zur Mohrenbrauerei in Dornbirn. Nicht nur, dass Mohren wie auch andere Brauereien aus Vorarlberg regelmäßig bei unseren Bierverkostungen einreichen. Einer der Mitbesitzer der Brauerei, Martin Huber, war bei einer der letzten Verkostungen als Juror mit dabei, was er schon lange vorhatte. Zudem ist der Kreativbrauer von Mohren, Albert Mühlwerth, ein gebürtiger Wiener, immer wieder bei Bierveranstaltungen in Wien anwesend. Man kennt sich eben :-)

Welches Bier erwartet uns?

Wie in den letzten Jahren wird es wieder etwas Besonderes, etwas Ausgefallenes, Dunkles. Albert Mühlwerth hingegen will etwas Klassisches brauen. Daher haben wir uns auf einen in Österreich ex­trem seltenen Bierstil geeinigt: auf ein Bier nach Sticke-Brauart. Dabei handelt es sich umgangssprachlich um einen Altbier-Bock. Derzeit werden dazu noch historische Rezepte aus der Brauerei durchforstet. Ziel ist es nämlich, das Bier an alte Rezepturen anzulehnen und dabei neu zu interpretieren und an den heutigen Geschmack anzupassen.

Die Mohrenbrauerei

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Im Museum der Mohrenbrauerei © Mohrenbrauerei

Immer wieder wird viel in das Logo der Mohrenbrauerei hineininterpretiert, dabei ist der Hintergrund ein ganz einfacher: Der Name der Brauerei geht auf das Jahr 1784 zurück, in dem Josef Mohr in Dornbirn eine Gaststätte mit angeschlossener Brauerei eröffnete und diese „Zum Mohren“ nannte. Der Mohrenkopf, der noch heute als Logo der Brauerei verwendet wird, war das Familienwappen der Familie Mohr. Bereits 50 Jahre später, im Jahr 1834, übernahm Franz-Anton Huber die Gaststätte samt Brauerei. Da sich das Bier bereits einen Namen gemacht hatte und bei den Gästen beliebt war, wurden Name und Logo beibehalten. Noch heute befindet sich die Brauerei in Familienbesitz und wird von mehreren Familienmitgliedern der sechsten Generation geleitet.
Auch wenn man Konkurrent auf dem Biermarkt ist, haben sich zwischen den Vorarlberger Privatbrauereien in den vergangenen Jahren mehr als nur zarte freundschaftliche Bande gebildet. Bereits seit einigen Jahren kooperiert man im Bereich der Biersommelier-Ausbildung mit der Brauerei Egg im Bregenzer Wald. Im Mai dieses Jahres hob man mit der Brauerei Frastanz die gemeinsame Limonadenmarke „VO ÜS“ aus der Taufe.

Die Frauen der Familie Huber

Ohne die starken Frauen in der Familie Huber wäre die Brauerei heute vermutlich nicht mehr in Familienbesitz. Bereits zwei Mal wurde Mohren in der Vergangenheit als Witwenbetrieb geführt. Dabei bewahrten sie die Brauerei nicht nur für die nächste Generation, sondern trugen auch zur Vergrößerung und Verbesserung bei. Anna Maria Huber führte nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes 1863 die Brauerei für neun Jahre, bis sie von ihrem Sohn, der dann sein 21. Lebensjahr erreicht hatte, übernommen wurde. In dieser Zeit baute sie die Gaststätte in Dornbirn stark aus. Bereits eine Generation später wieder ein Schicksalsschlag und Berta Huber musste den Betrieb ab 1895 für 15 Jahre allein weiterführen. Unter ihrer Leitung fanden viele technische Umbauten in der Brauerei statt, darunter die Installation eines neuen Dampfkessels, die Elektrifizierung und die Anschaffung des ersten LKWs. Heute ist unter anderem Mag. Irmgard Huber für den Erfolg verantwortlich, sie leitet in der Brauerei die Bereiche Immobilien und Personal. Eine Stärke, die sie von ihrer Mutter geerbt hat – einer der ersten Frauen, die auf der Universität für Bodenkultur in Wien Brauwesen studiert hatte. Ein ausführliches Interview mit Irmgard Huber finden Sie im aktuellen GENUSS.Magazin 05-06/2020.