GENUSS.Weinpionier 2020: Weingut Umathum

Ein Artikel von Johannes Fiala | 16.11.2020 - 16:22

Die Weißweine haben Struktur und Tiefgang und das bei wenig Alkohol. Die Rotweine bestechen mit seidigem Tannin, frischer Säure, aber vor allem mit hoher Mineralität. Diese wirkt sich meist erst nach mehreren Jahren aus und erst dann erkennt man ihre wahre Größe. Die Weine sind ob der Feinheit schwer mit Punkten zu beziffern – in einer Blindverkostung würden sie untergehen. Sie zeigen aber Tiefgang, wenn man sich Zeit für sie nimmt. Das beweisen auch die gereiften Weine. Sensationell jung und komplex sind zum Beispiel Ried Hallebühl 1997 und Pinot Noir Unter den Terrassen zu Jois 2001, welcher um nichts älter wirkt als der sortentypische 2014er, der mit burgundischer Eleganz begeistert.

Ein Weinpionier sein Leben lang

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Vordenker und Umdenker: Josef Umathum. © Weingut Umathum

Josef Umathum war immer schon Vordenker und Umdenker. Er war 1997 einer der Ersten, der den Umstieg auf die Biodynamie wagte. Er ist von den kosmischen Kräften und dem Langzeitgedächtnis von Boden und Pflanzen überzeugt. Ihm zuzuhören, wenn er über die Kräfte der Natur spricht, ist ein fesselnder Ohrenschmaus. Weinbeschreibungen und Bewertungen sind ihm nicht wichtig – er legt Wert auf die Philosophie dahinter.
Seit Mitte der 90er-Jahre pflanzt er gezielt die Rebsorten auf den perfekten Standort. Er investierte Unsummen in Bodenschürfe. Auf den quarz- und eisenhältigen Kieselsteinböden rund um Frauenkirchen gedeihen Zweigelt, St. Laurent und Pinot Gris perfekt. Blaufränkisch und Pinot Noir lieben aber Kalk und Schiefer. So war er auch der erste Spitzen-Winzer des Seewinkels, der sich am Leithagebirge um Rebflächen umschaute. Die kosmischen Kräfte und etwas Glück wollten es, dass er nach der Jahrtausendwende 4,5 Hektar Rebflächen auf den vorgelagerten Hügeln des Leithagebirges von der Adelsfamilie Graf Harrach erwerben konnte. Die Schieferterrassen am Joiser Jungenberg und am Hackelsberg wurden seit 1627 als Weingarten gepflegt. Heute kommen von dort Blaufränkisch Kirschgarten und Pinot Noir Unter den Terrassen. Gleich daneben liegt die Ried Kirchberg, eine kühle, windige Lage mit schneeweißem Kalkboden, die optimal für Blaufränkisch ist und straffe Langstreckenläufer hervorbringt. Weine, die viel Geduld brauchen, bevor sie ihre wahre Größe ausspielen.

Dieses einzigartige Terroir hat Josef Umathum zu seiner jüngsten Pionierleistung bewogen. Als Erster der Winzer, die anspruchsvolle und langlebige Weine machen, bringt er nun den neuen Ikonenwein Ried Kirchberg konsequenterweise erst auf den Markt, wenn dieser die optimale Trinkreife erreicht hat. Er übernimmt die Verantwortung bei der Bestimmung der besten Genussreife und lässt die Konsumenten nicht im Regen stehen. 2015 ist der erste Jahrgang, 2016 ist bereits gefüllt und beide kommen frühestens zehn Jahre nach der Ernte in den Verkauf.

Weingut Umathum
St. Andräer Straße 7, 7132 Frauenkirchen
Tel. +43 2172 24400
E-Mail: office@umathum.at
Web: www.umathum.at

Über die GENUSS.Weinpioniere

Einen lieb gewonnenen Brauch aus den vergangenen Jahren haben wir aufgrund der tollen Rückmeldungen auch in den aktuellen GENUSS.Weinguide 2020/21 übernommen: die Auszeichnung von Weinpionieren unter der heimischen Winzerschaft – heuer sieben an der Zahl. Dazu war jeder Autor und jede Autorin aufgerufen, einen Betrieb aus allen besuchten Weingütern aufgrund besonderer Leistungen zu nennen. Das sollten vor allem Betriebe sein, die aktuell durch besondere Leistungen, neue Weinstile, stark gesteigerte Qualitäten oder betriebliche Veränderungen wie Übernahmen durch Kinder auffallen, im positiven Sinn „aus der Reihe tanzen“.

Wir gratulieren zu dieser Auszeichnung und bedanken uns für den unermüdlichen Einsatz rund um Wein aus Österreich!