Schäumendes Österreich: Schaumweintrophy 2020

Ein Artikel von Elisabeth Eder | 21.12.2020 - 15:14

Fast alles, das schäumt und prickelt, durfte bei der heurigen GENUSS.Schaumweintrophy mitmachen, die Eintrittskarte zur Teilnahme an der Neuauflage unserer Trophy war natürliche Kohlensäure im Wein. Die Proben waren wild, verrückt, crazy, gefährlich explosiv, klassisch, überraschend, konsumentenfreundlich, großartig oder außergewöhnlich.

Wer die Schaumwein.Trophy-Sieger sind, verraten wir Ihnen hier und darüber hinaus die Antworten auf die drei Fragen hatten, die wir ihnen gestellt haben.

  1. Wo soll sich der österreichische Sekt zukünftig positionieren?
  2. Wie hat sich der Sekt in den vergangenen zehn Jahren in Ihrem Betrieb entwickelt und gab es einen Trend?
  3. Gewinnen trockenere Stile (Zero Dosage) an Marktanteil? Oder besteht der Konsument nach wie vor auf hoher Dosage?

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Noch mehr zu "Best of Sekt 2020" anlässlich des "Tag des österreichischen Sekts" lesen Sie hier.

Weingut Bründlmayer, Langenlois

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Ein echtes Sekt-Dreamteam: Andreas Wickhoff MW, Thomas Klinger sowie Edwige und Willi Bründlmayer. © Weingut Bründlmayer / Anna Stöcher

  1. Erstklassige Trauben für Sekt und ihre Verarbeitung haben in Österreich ihren Preis und das ist gut so. Deshalb sollte sich der „Österreichische Sekt g.U.“ innerhalb der Sektpyramide bewegen und diese nur Sekte nach Traditioneller Methode erlauben – wie Champagner. Die Orts-Appellationen für feinste Vertreter sind, wie man am Beispiel Langenlois sehen kann, erfolgreich. Ein Wettbewerb mit internationalen Billiganbietern ist für die Winzer und für das Image von Sekt aus Österreich nicht zu gewinnen.
  2. Sekt ist im Weingut Bründlmayer eine Herzensangelegenheit. Nach fast zwei Jahrzehnten mit dem Bründlmayer Brut Jahrgangssekt (1989) war die Zeit reif für den Brut Rosé (2007), dessen Erfolg uns in den letzten zehn Jahren den Weg wies, noch mehr Augenmerk auf die Schaumweinerzeugung in unserem Haus zu legen. „Sekt braucht Platz im Herzen, in den Köpfen, im Weingarten und vor allem auch im Keller“, meint Willi Bründlmayer. Die Diversifizierung in mittlerweile vier Reserven und demnächst zwei Große Reserven zeigt, wie wichtig die „Sekt-Manufaktur“ im Weingut Bründlmayer geworden ist.
  3. Der aktuelle Sekt-Konsument lehnt auch im gehobenen Segment allzu trockene und säurebetonte Sekte ab. Die Nischen für trockenere Sekte werden aber mit den jüngsten Erfolgen im Premium-Bereich etwas breiter. Zero Dosage ja, wenn uns perfekt geeignete Trauben diesen Weg ermöglichen.

Weingut Peter Skoff, Gamlitz

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Familie Peter Skoff aus der Südsteiermark.
© Weingut Peter Skoff

  1. Wir trinken selbst gerne österreichischen Sekt und finden, dass noch viel Potenzial in diesem wunderbaren und prickelnden Getränk steckt. Wir können vor allem in der Steiermark mit unseren fruchtigen Schaumweinen reüssieren und einen eigenen Stil entwickeln. Geprägt durch mein Praktikum vor mittlerweile 25 Jahren bei der Firma Kattus in Wien, versuchen wir im Betrieb schon lange, den Gästen den Stellenwert und die Wertigkeit unserer Sekte zu vermitteln. Generell bemühen sich viele Weinbauern um die Qualität und entdecken die Vielfalt der Möglichkeiten. Die neue Qualitätspyramide weckt auch die Neugier der Kunden und somit finden wir, dass in Zukunft der österreichische Sekt noch eine viel bedeutendere Rolle spielen wird.
  2. Wir produzieren seit ungefähr 20 Jahren einen trockenen Sekt aus Morillon. In den letzten Jahren waren unsere Sekte immer wieder im Spitzenfeld diverser Bewertungen. Dieses Qualitätsbemühen trug natürlich Früchte und steigerte die Nachfrage.
  3. Wir sind absolut überzeugt, dass die Wertigkeit der Sekte mit der Reduzierung der Dosage steigt und auch die Konsumenten bevorzugen in der Zwischenzeit den trockenen Stil der Schaumweine. Puristen greifen aber auch immer öfter zu Zero Dosage, aber ebenso werden auch gewisse Kundenschichten nach wie vor auch höhere Dosagen schätzen.

Weingut Schloss Gobelsburg, Gobelsburg

  1. Wenn man will, dass sich österreichischer Sekt langfristig hochwertig positioniert, wäre eine Schärfung des Profils notwendig. Erst wenn der Anspruch auf das Produkt als ein Ausdruck handwerklicher Kultur gesehen wird, wird der Begriff „Österreichischer Sekt“ auch wieder Wertigkeit bekommen. Dazu wäre es allerdings notwendig, dass unter dem Titel „Österreichischer Sekt“ auch nur flaschenvergorene Produkte in den Verkehr gebracht werden dürfen.
  2. Langenlois hat sich in den letzten zwanzig Jahren zum Epizentrum der heimischen Qualitätsschaumweinproduktion entwickelt. Ein Großteil der besten Produzenten schart sich hier. Bei ihnen findet man auch ein vielfältigeres Programm als bei Winzern üblich, die in der Regel nur einen Schaumwein im Angebot haben.
  3. Ich denke, dass generell die Dosage-Werte ein bisschen zurückgehen – speziell bei den Winzer-Sekten. Aber die kommerziell wirklich erfolgreichen Produkte liegen schon noch bei über zehn Gramm pro Liter. Grundsätzlich ist Zero Dosage ein Minderheitenprogramm. Ich glaube auch nicht, dass dies jemals ein großer Trend werden wird.

Weingut Buchegger & Mayr, Droß

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Silke Mayr vom Weingut Buchegger & Mayr im Kremstal. © Weingut Buchegger & Mayr

  1. Ich denke, der österreichische Sekt steht gerade am Beginn eines neuen Weges. Die Qualitätssekte haben mit der neuen Sektpyramide mehr Aufmerksamkeit gewonnen und die Konsumenten sind sensibilisiert. Ich hoffe, dass der österreichische Sekt in der österreichischen Gastronomie durchgehend Einzug nimmt – so können auch Gäste überrascht werden, die bis jetzt noch keinen Zugang zu hochwertigem Sekt aus Österreich hatten.
  2. Unseren Sekt gibt es zum ersten Mal mit dem Jahrgang 2014. Es war unser Anliegen, einen Sekt zu machen, der in einer Blindverkostung auch neben den sehr guten Champagnern bestehen kann, daher war von Anfang an klar, hier auf die höchste Qualität, die Große Reserve, zu setzen. Der erste Jahrgang 2014 war seit Ende 2018 im Verkauf, nun ist es der 2016er.
  3. Da wir nur einen Sekt machen, war ganz klar, auf einen trockenen Stil zu setzen, da wir das auch selbst bevorzugen. Wir sehen uns hier mit einem absoluten Nischenprodukt und wollen damit nicht gefallen, sondern besten österreichischen Sekt nach unseren Vorstellungen verkaufen.

Trophy-Sieger Pet Nat, Weingut Loimer, Langenlois

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Fred Loimer © Weingut Loimer

Wo soll sich der österreichische Pet Nat zukünftig positionieren?
Im „gehobenen Frizzante Bereich“, falls es so was gibt. Pet Nat ist mit Sicherheit eine qualitativ hochwertige Alternative zu den Frizzantes.

Wie hat sich Pet Nat in den letzten Jahren in Ihrem Betrieb entwickelt und gab es einen Trend?
Der Pet Nat 2019 war nach einem Versuch mit 2018 erst der erste Pet Nat, den wir für den Markt gemacht haben. Die Nachfrage ist sehr gut und so werden wir Pet Nat nun fix in unser Angebot der prickelnden Weine aufnehmen. Falls es einen Trend gibt, dann stehen wir wahrscheinlich aber erst am Anfang.

Schaumweintrophy 2020: Alle Ergebnisse zum Download:

GENUSS.Download Schaumweintrophy 2020

Die GENUSS.Kostjury

Verkostungsleiterin: Elisabeth Eder, Weinakademikerin, Champagner-Botschafterin für Österreich
Verkoster: Alexander Lupersböck, GENUSS.Chefredakteur-Stv. und Weinakademiker, Dr. Klaus Postmann, GENUSS.Chefredakteur und Weinakademiker

Hier finden Sie alle Informationen & Details zu unserem Verkostungssystem.

Erschienen im GENUSS.Magazin 07/2020.