Alles Rosé oder was?!

Ein Artikel von Birgit Kowarik | 28.04.2020 - 19:00
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© IsabellaO /shutterstock.com

Eigentlich haben Roséweine und weiß beziehungsweise gleich gepresste Weine mehr Weißweincharakter, obwohl sie laut EU-Verordnung nur aus Rotweintrauben gekeltert werden dürfen. Die Bezeichnung Rosé steht jedenfalls für einen Weinstil mit blasser, hellroter Färbung. Die Farbe ist von der Dauer des Kontakts mit den Beerenhäuten (Maischestandzeit) abhängig. Ein Verschnitt beziehungsweise eine Cuvée von verschiedenen Rotweinsorten ist zulässig. Die Rotweinsorten müssen dabei unter Qualitätswein oder Landwein eingestuft sein. Bei den weiß gepressten Weinen werden Rotweintrauben ohne Maischekontakt sofort gepresst. Per Definition der österreichischen Weinbezeichnungsverordnung dürfen die Begriffe „Gleichgepreßter aus …“ oder „weissgepresst (weiß gepresst) aus …“ mit Angabe der Rebsorte für Landwein oder Qualitätswein gekeltert aus Rotweinrebsorten mit geringer oder keiner Farbausbeutung verwendet werden.

Herstellverfahren

Roséweine stehen den Weißweinen viel näher als den Rotweinen, da sie weniger Farbstoffe, Gerbstoffe und Aromastoffe aufweisen. Unterschiede, die hauptsächlich aus den verwendeten Rebsorten sowie aus den unterschiedlich langen Maischestandzeiten resultieren, sind in der Farbe und im Geschmack zu finden. Die drei bekanntesten Herstellmethoden sind die Saignée-Methode, die direkte Pressung mit Maischestandzeit und die direkte Pressung ohne Maischestandzeit.

Bei der Saignée-Methode (französisch für Aderlass) werden Trauben für die Rotwein­erzeugung angequetscht. Nach einer Standzeit von wenigen Stunden bis zu einem Tag wird ein kleiner Teil des Mostes abgezogen, zur Ader gelassen. Der gewonnene Saftabzug wird zu Roséwein weiterverarbeitet, die übrige Maische zu Rotwein. Dieser weist aufgrund des reduzierten Verhältnisses Saft zu Schalen eine intensivere Farbe und mehr Tannin auf.
Bei der direkten Pressung mit Maischestandzeit werden die meist eigens für Rosé angebauten Trauben angequetscht und verbleiben anschließend bis zu drei Tage auf der Maische, bevor sie gepresst werden. Je länger dieser Kontakt andauert, umso dunkler ist die Farb­ ausbeute, aber auch desto intensiver der Geschmack des Rosés.

Die direkte Pressung ohne Maischestandzeit ist mit der Weißweinerzeugung identisch. Der Traubenmost kann zwar von den Farbstoffen der Beerenschalen etwas Farbe annehmen, es gibt jedoch keine Maischestandzeit. Daraus ergeben sich sehr helle Roséweine beziehungsweise weiß gepresste Weine.

Internationale Bedeutung

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In Südtirol – hier Bozen – wird Roséwein besonders gerne getrunken und entsprechend gepflegt. © IDM Südtirol / Clemens Zahn

Für Roséweine gibt es viele landesspezifische Bezeichnungen, einige mit herkunftsgeschützten Namen und/oder Ausnahmeregelungen. Die Herstellverfahren sind unterschiedlich, jedoch werden die Weine zumeist mit einer relativ kurzen Maischestandzeit produziert. Autochthone Rebsorten werden länderspezifisch bevorzugt und entweder reinsortig ausgebaut oder mit internationalen Rotweinsorten verschnitten. Insbesondere in Frankreich haben Roséweine eine lange Tradition. In vielen Appellationen für Rotweine sind auch Roséweine eingeschlossen. Vor allem die Provence ist für ihre Roséweine weltweit bekannt. Der Tavel aus dem südlichen Rhônetal wird sogar als „König der Roséweine“ bezeichnet.

Südtirol setzt auf die lokale Rebsorte Lagrein, sowohl reinsortig als auch in der Cuvée. Die Roséweine werden hier traditionell trocken ausgebaut. In Deutschland sind Portugieser, Spätburgunder (Pinot Noir), Schwarzriesling (Pinot Meunier) und Merlot beliebte Rotweintrauben für die Rosé-Erzeugung. Die Restzuckergehalte bewegen sich von trocken über halbtrocken bis hin zu lieblich ausgebauten Weinen. In Österreich werden die heimischen Sorten Zweigelt, St. Laurent, Blau­fränkisch und Blauer Wildbacher (für Schilcher) für trocken und halbtrocken ausgebaute Rosés verwendet. Diese sind jedoch noch nicht ganz so bekannt wie die heimischen Rot- und Weißweine. Schade, denn die einzigartige Balance aus Frucht, Körper und Frische eröffnet neue Perspektiven, und damit ist Rosé nicht nur als Aperitifwein an einem lauen Sommerabend auf der Terrasse gemeint, sondern auch als universell einsetzbarer Speisenbegleiter für heimische Schmankerl wie Bratwurst, Schweinsbraten oder Wiener Schnitzel.

GENUSS.Trophysieger & die Besten der Besten

GENUSS.Trophysieger: Klosterkellerei Muri-Gries, Bozen, Südtirol (I)
92 P. | Südtirol – Alto Adige DOC Lagrein Kretzer | € 9,90

Weingut Manincor, Kaltern, Südtirol (I)
91 P. | 2019 La Rose de Manincor (Lagrein, ME, CS, PN, Petit Verdot, Tempranillo, SH) | € 17,30

Weingut Kornell – Florian Brigl, Terlan, Südtirol (I)
90 P. | 2019 Merose (ME, CS, Lagrein) | € 13,60

Schilcherweingut Friedrich, St. Stefan, Weststeiermark
90 P. | 2018 Schilcher Ried Pirkhofberg Barrique Reserve (BW) | € 19,90
90 P. | 2020 Mezzosopran Blauer Wildbacher weiß gepresst (halbtrocken) | € 8,–

Strablegg-Leitner Panoramaweinhof, Leutschach, Südsteiermark
90 P. | 2020 Rosé Rosa (ME) | € 7,–

Weingut Steininger, Langenlois, Kamptal
90 P. | 2020 Merlot Rosé | € 9,–

Elena Walch, Tramin, Südtirol (I)
90 P. | 2020 Rosé „20/26“ (Lagrein, ME, PN) | € 13,–

Alle Verkostungsergebnisse im Detail finden Sie im GENUSS.Magazin 01-02/2021.