Das neue Liebkind

Ein Artikel von Alexander Magrutsch | 12.03.2014 - 11:57

Das Beispiel von Leithaberg DAC zeigt auf, wie wichtig ein Zusammenschluss von gleichgesinnten Winzern einer Region ist, um Gebietsmarketing zu betreiben. Seit sich die Leithaberg-Winzer formiert haben (im Herbst 2004 gab es dazu die erste Pressefahrt) und recht rasch zum Leithaberg DAC gelangt sind (2009), hat es einen spürbaren Qualitätsruck und erhöhtes Interesse der Medien gegeben. Das Image ist wegen der guten Weinqualitäten positiv, wobei die Rotweine im Vordergrund stehen.

Voraussetzung und Erwartung

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© Prummer

Den Leithaberg gibt es eigentlich nicht. Es ist eine umgangssprachliche Form des Leithagebirges, das einen rund 35 km langen, bewaldeten Höhenrücken am östlichen Rand des Wiener Beckens an der Grenze von Niederösterreich zum Burgenland bildet. Das Leithagebirge ist mit seiner Höhe von bis zu 480 m ein Ausläufer der Alpen und besteht geologisch betrachtet aus Kalkstein (Leithakalk z. B. im Römersteinbruch St. Margarethen), Gneis und Glimmerschiefer. Das klingt schon recht spannend und lässt mineralische Weine erwarten. Das Klima sorgt ebenfalls für Spannung: Geprägt vom pannonischen Klima, bietet die große Waldfläche gute Abkühlung in der Nacht, womit die Aromenfeinheit gefördert wird. Der recht ausgeglichene Jahrgang 2012 brachte gute Reife mit passender Säure, sofern man mit der Ernte während des schönen Herbstes nicht zu lange zuwartete und das Risiko allzu alkoholreicher Weine einging. Dafür gibt es beim Leithaberg DAC übrigens eine Deckelung mit 13,5 % Vol., um einen zu alkoholreichen Stil zu vermeiden. Eleganz und Mineralität zählen mehr – das ist alles ganz im Sinn von wein.pur!

Burgunder und Grüner Veltliner

Der Blick auf den Rebsortenspiegel überrascht zum Teil. Weißburgunder, Chardonnay und der rare Neuburger scheinen plausibel. Aber der Grüne Veltliner? Das ist doch die Paradesorte der nördlichen Anbaugebiete in Niederösterreich. Aber hier, im Burgenland? Das hat historische Gründe, denn spätestens in den 1950er Jahren ist durch die Umstellung auf die Lenz-Moser-Hochkultur in den Weingärten der Grüne Veltliner stark propagiert worden und spielt im nördlichen Burgenland mengenmäßig immer noch eine große Rolle. Im Nordburgenland besitzt Weißwein generell eine lange Tradition. So erzählt Leo Sommer jun. über seinen Großvater, dass dieser den Betrieb in Donnerskirchen noch gänzlich ohne Rotweinreben geführt hat. Mittlerweile haben die Rotweine im gesamten Gebiet einen fast noch höheren Stellenwert.

Unser Eindruck

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© Wolfgang Prummer

Die Bandbreite bei den weißen Leithaberg-DAC-Weinen war wegen der vier zugelassenen Sorten, die reinsortig oder als Cuvée ausgebaut werden können, naturgemäß größer als bei der Verkostung der Leithaberg rot im Vorjahr. Beim Stil gibt es größere Unterschiede als gedacht. Ein Teil der Weine spielte die mineralische Finesse und Struktur, die man sich von den Kalk- und Schieferböden erwarten kann, gut aus, andere wieder wirkten eher breit als fein. Zuweilen wurde während der Verkostung diskutiert, inwieweit einzelne Weine den Leithaberg-Charakter per definitionem besitzen. Unser Schluss aus der Verkostung ist, dass die Qualität heterogener ist als beim roten Leithaberg, der aus Blaufränkisch gewonnen wird. Hier sollte der Hebel hin zu mehr Finesse und Ausdrucksstärke im Sinn von mineralischer Präsenz angesetzt werden. Dessen sind sich die Winzer auch bewusst. Man sei noch nicht so weit wie bei den Rotweinen, bestätigt Hans Nehrer, Obmann von Leithaberg DAC.

Kein Allerweltswein

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© Prummer

Leithaberg-Weine sind keine Weine mit banaler Frucht, auf die viele Konsumenten sofort aufspringen. Sie benötigen Zeit, strahlen Feinheit und Mineralität aus und sind zuweilen auch mit einer gewissen Strenge ausgestattet. Der jeweilige Jahrgang und seine Säure entscheiden: Reife Jahre mit niedriger Säure und hohem Weinsäureanteil wirken runder, kühlere und spätere Jahre mit höherer Säure können mitunter zu den mineralischsten Weißweinen Europas zählen und Geduld sowie ein ausgeprägtes Weinverständnis verlangen. Natürlich kann man mittels Säureabbau und gezieltem Holzeinsatz alles ein wenig abrunden, ein Zuviel an Weichheit und Holz-Noten soll es laut Eigendefinition aber nicht geben.

Märkte

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© Milewski

Österreich ist für diesen Weinstil noch ein schwieriger Absatzmarkt. Daher gibt es vermehrt Anstrengungen, im Ausland Fuß zu fassen, allen voran in Großbritannien. Dort, so meinen Hans Nehrer und seine Protagonisten, sei das Verständnis für den feingliedrig-mineralischen Leithaberg-Stil am ehesten ausgeprägt. Also lädt man Journalisten und Händler ins Gebiet ein, um sie zu überzeugen, dass man in Zukunft auch Leithaberg-Weine und nicht nur Burgunder, Weine von der Loire oder deutsche Rieslinge kaufen und genießen soll. Der britische Markt ist nach wie vor ein prestigeträchtiger. Wenn man dort einmal Anerkennung gefunden hat, ist es eine Frage der Zeit, bis man international einen Schritt weiterkommt.

Leithaberg DAC weiß

Die DAC-Region Leithaberg umfasst die Orte Jois, Winden, Breitenbrunn, Purbach,Donnerskirchen, Schützen, Eisenstadt mit ihren Stadtteilen Kleinhöflein und St. Georgen und den Gemeinden Leithaprodersdorf, Großhöflein, Wulkaprodersdorf, Siegendorf, Zagersdorf, Sankt Margarethen, Oslip, Oggau und Mörbisch am See. Ausschlaggebend beider Auswahl der Gemeinden war die geologische Einheit. Damit ist erstmals ein gebietsübergreifender DAC (Neusiedlersee-Hügellandund Neusiedlersee) entstanden. Leithaberg DAC weiß unterliegt den allgemeinen Anforderungen für österreichische Qualitätsweine.
Sorten: Grüner Veltliner, Weißburgunder, Chardonnay, Neuburger, entweder reinsortig oder als Verschnitt dieser Sorten.
Stil: trocken, nicht von Holz, sondern von der typischen Mineralität des Leithaberges geprägt, strukturiert und langlebig.
Alkohol: 12,5 – 13,5 % Vol.


Die Ergebnisse der Verkostung finden Sie in unserer Weindatenbank